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Lasst uns über Gott reden lernen!


„Wenn du nach dem Preis des Brotes fragst, antwortet man dir, der Vater ist größer als der Sohn und der Sohn dem Vater untergeordnet. Wenn du fragst, ob das Bad schon hergerichtet ist, antwortet man dir, der Sohn ist aus dem Nichts geschaffen.“

Gregor von Nyssa

Fundamentaltheologische Diskussionen im Bäckerladen und in der Badeanstalt, – zur Zeit Gregors (4. Jhdt.) offensichtlich selbstverständlich. Kein Wunder, möchte man meinen, damals wurde eben heftig über die Trinitätslehre debattiert. Die Christen mussen in der Vielzahl theologischer Ansichten und religiöser Splittergruppen ihren Weg erst  finden. Dabei half der offene Dialog, die Kontroverse. Und das geschah nicht nur auf den Bischofskonzilien, sondern auch im Alltag.

Heute ist das anders geworden. Reden über Religion gilt als peinlich. Wenn überhaupt, dann findet es in irgendwelchen Nischen statt, in Hauskreisen, Bibelgruppen, oder, wenn es hoch kommt, auf Kirchentagen. Aber Alltag ist das nicht. Entsprechend gering ist die Fähigkeit, überhaupt Glaubensinhalte in Worte zu fassen. Zu Pfingsten bat ein Reporter einer Kirchenzeitung bei uns die Kirchgänger, in wenigen Sätzen zu sagen, was der Heilige Geist sei. Das Ergebnis war irgendwo zwischen peinlich und niederschmetternd. Einige konnten trinitarische Bekenntnisformeln repetieren, aber nur ein einziger hatte eine Vorstellung vom Heiligen Geist.

Dabei ist die religiöse Landschaft heutzutage ähnlich vielfältig wir zur Zeit Gregors von Nyssa. Das Abendland ist längst nicht mehr nur christlich (sofern es das jemals war). Juden leben nicht mehr in Ghettos, Muslime bauen Moscheen, Hippies brachten in den 70ern hinduistisches Gedankengut aus Indien mit, Zen wird an Volkshochschulen gelehrt, der Dalai Lama gilt auch hier als Weiser, Popularesoterik ist allgegenwärtig. Aber die Fähigkeit zum religösen Dialog fehlt bei vielen. Und das  nicht nur bei den in Glaubenssachen Gleichgültigen.

Einer Laune folgend gab ich „Christentum“ in das Suchfenster bei Facebook, landete bei einer Gruppe mit dem Namen „Christentum verstehen“ und stöberte dort ein bischen herum. Ich denke, gerade Webforen bieten, weil etwas abseits des unmittelbaren Lebensumfeldes, eine gute Chance zum ungezwungenen Austausch. Dabei störte es mich nicht, dass diese Facebook-Gruppe offensichtlich von missionseifrigen Muslimen gegründet worden war. Traurig war ich über die Art und Weise der Diskussionen. Die Muslime, die sich dort betätigten, verbreiteten dort antichristliche Propaganda, die sie irgendwo im Internet zusammengeklaubt hatten. Es war nur wenig wirkliche Reflektion erkennbar. Als ich einen, der eifrig über Paulus räsonierte, fragte, welche neutestamentlichen Schriften er selbst gelesen hatte, blieb er mir die Antwort schuldig. Er hatte alles nur aus zweiter oder dritter Hand.

Um die Christen in der Runde stand es nicht besser.

„Jesus ist Gott “ alles andere ist eine Lüge die euch ins verderben bringt !!! Die Bibel ist Gottes Wort !!!

schrieb jemand, ohne sich die Mühe zu machen, seinen Glauben zu erklären. Ein anderer bewies dagegen ein gerüttelt Maß an theologischer und philosophischer Bildung, überforderte seine Leser aber mit ellenlangen detaillierten Abhandlungen in einem Seminarstil, den ein Andersgläubiger niemals hätte nachvollziehen können. Die Diskussion entgleiste immer dann, wenn jemand meinte, sein Gegenüber über dessen Religion informieren zu müssen, statt die eigenen Überzeugungen zu erklären.

Die Unfähigkeit zu religiöser Rede ist nicht neu. Während im vierten Jahrhundert, wie Gregor beschreibt, theologische Inhalte noch Tagesgespräch waren, so ist 300 Jahre später z. B. auf der Arabischen Halbinsel nur noch wenig angekommen. Nach den Zeugnissen des Koran scheint Mohammed vom Christentum nur die Geburtsgeschichte Jesu nach Lukas und einige fromme Legenden, darunter das Kindheitsevangelium nach Thomas (eine damals populäre apokryphe Trivialschrift) gekannt zu haben, jedoch nichts von der Bergpredigt oder dem Evangelium vom Reich Gottes oder sonst irgendein Jesuswort. Dabei hatte Mohammed Umgang mit Christen, darunter eine seiner Frauen. Offensichtlich wussten sie wenig. Die Konsequenz war ein verzerrtes Bild vom Christentum, dass in jener Form zwangsläufig von Mohammed und seinen Anhängern abgelehnt werden musste.

Und wir? Können wir unseren Glauben Andersgläubigen darlegen? Vielleicht dann, wenn wir eine Jüngerschaftsschule besucht oder eine Ausbildung als Katechet absolviert haben. Ich habe es jedenfalls nicht gelernt. Dabei wäre es wichtig!

Lasst uns wieder anfangen, über Gott zu reden! Wenn wir es nicht können, lasst es uns lernen!

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Moby-Dick im Himmel.


Ich beneide Geschichtenerzähler. Jene Leute, die das Talent haben, aus irgendeiner Banalität ein Drama in drei Akten zu machen. Selbst gehöre ich zum Geschlecht der Einsilbigen, die denken, sie müssten für jedes gesprochene Wort Telegrammgebühren bezahlen. Außerdem ist mein biederes Kleinbürgerdasein recht arm an spannenden Erlebnissen. Da bin ich immer dankbar für Menschen, die mir irgendwelchen Gesprächsstoff liefern.

Zum Beispiel für Heidi. Vor einigen Jahren besuchten wir zusammen einen Computerkurs. Heidi arbeitet am Institut für Meereskunde und fährt auch auf Forschungsschiffen mit. Wie alles Schiffsvolk steckt sie voller Döntjes. Seekranke Studenten kann Heidi so gut nachmachen, dass einem ganz flau im Magen wird: „Die werden echt grün…“. Einmal erzählte sie freudestrahlend von einer Fangfahrt im Kattegatt und kramte Seeigelgehäuse aus dem Rucksack, um sie an uns Mitschüler zu verschenken. „Echinus esculentus“, dozierte Heidi, „der essbare Seeigel“. Wie die essbaren Seeigel denn zubereitet werden, wollten wir wissen. „Da löffelt man so roh die Gonaden…“

Ein anderes Mal brachte sie einen Stapel Fotos von einem toten Schweinswal mit. Er war offensichtlich in ein Stellnetz geraten. Bei dem Versuch, freizukommen, hatte er sich nur noch schlimmer verfangen und dabei schwer verletzt. Eine tief klaffende Wunde an der Kehle zeugte vom Todeskampf des Tieres. Ein Seenotrettungskreuzer hatte den umher treibenden Kadaver gesichert und zu Untersuchungszwecken an das Forschungsschiff übergeben.

Wir sahen, wie der kleine Wal mit der Winsch an Bord gehievt wurde, wie er in einer Blutlache an Deck lag und wie er schließlich in blaue Müllsäcke verpackt und in die Tiefkühltruhe verfrachtet wurde. Cathy wurde blass um die Nase und guckte lieber in die andere Richtung. Aber ich schnorrte Heidi eines von den weniger makaberen Bildern dieser unappetitlichen Serie ab. Da hatte ich mal wieder ein Thema, über das ich mich mit meiner damals sechsjährigen Tochter unterhalten konnte.

Am nächsten Tag erzählte ich ihr die Geschichte vom tragischen Ende des Schweinswals und fragte, ob sie das Foto sehen wolle. Ja, das wollte sie. Schließlich interessiert sie sich sehr für Tiere. So betrachteten wir nun aufmerksam den stromlinienförmigen Körper mit dem schiefergrauen Rücken, der kleinen Finne, der eleganten Schwanzflosse, dem silberweißen Bauch und dem Maul, das ein wenig zu lächeln schien.

Natürlich entging ihr nicht das Blut, das zwischen den Gummistiefeln der Seeleute hindurch über die Decksplanken rann. Obwohl das Bild den Wal von seiner Schokoladenseite zeigte, war auch die Wunde im Bereich der Kehle nicht zu übersehen.

„Ist er da schon richtig tot?“ fragt Hanna.

Ja, sage ich, er ist schon tot gefunden worden. „Da haben wohl sogar schon Möwen dran herumgepickt.“ Nichts mehr zu retten.

„Dann ist er jetzt bei Gott!“ konstatiert meine Tochter.

Überrascht von der plötzlichen Wendung des maritimen Dramas stimme ich ihr zu. Schließlich hatte ich ihr selbst immer von der Auferstehung geredet, wenn wir zerfledderte Möwenleichen am Strand oder plattgefahrene Igel am Straßenrand fanden.

Heißt es doch bei Paulus: „Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.“ (Römerbrief 8, 21-22. Wohlgemerkt: Paulus schreibt „Geburtswehen“ und nicht „Todeszuckungen“.) Warum sollte das nicht auch für diesen kleinen Zahnwal gelten, der das Opfer des modernen Fischfangs mit fast unsichtbaren Netzen wurde?!

„Gibt es denn noch genug von den Walen?“ will Hanna nun wissen. Als wir einmal gebratenen Hasen auf dem Tisch hatten, konnte ich bei einer ähnlichen Frage guten Gewissens auf die voll besetzten Kaninchenställe in Opas Garten verweisen. Doch nun muss ich ihr klaren Wein einschenken. Die Bestände an Schweinswalen gehen zurück. Hauptgrund: die Tiere verfangen sich in Fischernetzen und kommen dort um, weil sie nicht mehr auftauchen können, um zu atmen. Andere Walarten seien durch den ungezügelten Walfang an den Rand der Ausrottung gebracht worden, schildere ich meiner Tochter.

Die Fragerei geht weiter. „Wenn ein Wal gejagt wird, wird er dann immer getötet?“

„Nun, wenn sie merken, dass die Walfänger hinter ihnen her sind, versuchen sie natürlich zu entkommen. Finnwale sind zum Beispiel ziemlich schnell und können meistens flüchten…“ Aber ich bin unzufrieden. Mir dämmert, dass nun nicht Details aus der Meeresbiologie gefragt sind, sondern eine Geschichte.

Das Privileg des Geschichtenerzählers ist es, nicht vor der sogenannten „Realität“ kapitulieren zu müssen, selbst wenn diese aus Harpunenkanonen und Fabrikschiffen besteht.

„Viele Wale haben auch um ihr Leben gekämpft.“ fahre ich fort. „Da gab es einmal einen Pottwal, den nannten sie Moby-Dick…“

Da lasse ich sie also gegeneinander antreten: den mit Harpunen gespickten, aber unbesiegbaren weißen Wal und den von Rachegefühlen getriebenen Kapitän Ahab aus Herman Melvilles meisterhaftem Roman. Jedem, der diese herrliche, bei aller klassischen Tragik wunderbar humorvolle Erzählung nicht kennt, sei die Lektüre einer ungekürzten Ausgabe des „Moby-Dick“ wärmstens empfohlen. Ausgehend von wahren Begebenheiten erzählt Melville nicht nur eine abenteuerliche Seefahrergeschichte, sondern eine tief philosophische Parabel über den Kampf zwischen Mensch und ungebändigter Natur. Für Hanna fasse ich das 913-seitige Epos – maulfaul, wie ich nun mal bin – in 913 Sekunden zusammen, wobei viel „Whale hoo…“ und „da bläääst er!“ durch unser sonst so beschauliches Wohnzimmer dröhnt.

Nachdem Moby-Dick schließlich das letzte Fangboot mit seiner gewaltigen Fluke zerschmettert hat und die Wogen des Pazifiks über den Toppen der „Pequod“ zusammengeschlagen sind, fragt Hanna, wie es denn mit dem weißen Wal weiter gegangen sei.

„Der ist dann nach vielen Jahren gestorben. Das ist ja schon über hundert Jahre her…“

„Dann ist er jetzt bei Gott!“

Der Leviathan, dieses Meeresungeheuer im Himmel? Ich stutze.

Doch, na klar! Schließlich habe ich ihr den Wal nicht als den Chaosdrachen der altorientalischen Mythologie, sondern als geschundene Kreatur mit gottgegebenem Recht auf Leben vorgestellt.
Und das hat sie verinnerlicht.

Das ist nun schon ein paar Jahre her. In die Freundschaftsbücher ihrer Klassenkameradinnen schrieb sie damals als Berufswunsch „Naturforscherin“ und „Ich bin Fan von:…Moby-Dick“, obwohl da wohl mehr nach Popstars gefragt war.

Und ich habe damals begriffen, welche Kraft im Glauben an die Auferstehung steckt.

Link

Spero – Peregrina


Spero -Peregrina

Das kurze, eigene Weblog der in der christlichen Forenszene legendären Forenschreiberin Spero – Peregrina. Sie war eine hoffnungsfroche Christin und eine wunderbare Lehrerin der ars morendi.

http://peregrina.blog.de
Bild nach Speros Avatar, mit freundlicher Erlaubnis von Bruder Bernd OFS.

Woran sterben christliche Internetforen?


Vor einigen Monaten schrieb ich einen Aufruf an Christen, sich an internetforen zu beteiligen. Ich habe selbst auf Foren meine ersten Gehversuche im Web 2.0 gemacht und war nach gar nicht so langer Zeit auf verschiedenen Portalen ein recht bekannter Schreiberling. Das ist inzwischen nicht mehr so. Einer der Gründe ist schlicht und einfach der, dass die Foren eingestellt wurden.

Nun ist es wieder einmal so weit. Am kommenden Montag wird das Glaubenscafe.de geschlossen Alle Beiträge werden gelöscht. Anfang des Jahres war es das kleine, aber feine katholische Forum AdGentes, das nach mehrmaligem Moderatorenwechsel im virtuellen Nivana verschwand. Das Ende der Community von evangelisch.de habe ich ja hier schon ausführlich kommentiert. Das Forensterben ist offensichtlich unabhängig von der Größe, dem Betreiber und der  konfessionellen oder spirituellen Couleur. Die konservativ-katholische Community kathspace.com hat ihr offenes Forum ebenso eingestellt wie auch der aus einer Singlebörse hervorgegangene, evangelikal geprägte christpark.de. Die Liste ließe sich fortsetzen. Manchen, wie dem (auf dem Site immer noch angezeigten) christpark-Forum, braucht man nicht nachzutrauern, das Niveau war da nicht so pralle. Bei anderen tat es aber weh. Über das Ende von AdGentes schrieb ich im Glaubenscafe:

Montag, 4. Februar 2013, 14:45

Das beste der christliche Foren, das ich kenne bzw. kannte! :schnief:
Ein Forum, in dem kontrovers, aber immer mit Achtung und Liebe diskutiert wurde.
Gerade die Threads zur Ökumene hatten ein absolutes Spitzenniveau.
Da hatte auch ich viel Zeit und Mühe hineingsteckt.Ziemlich geschockt, Ismael
Dann der erste Versuch einer Analyse:

Freitag, 8. Februar 2013, 12:14

Eine Frage der Geduld

Wenn das so ein tolles Forum war, warum hat es denn geschlossen ? Also außer durch finanziele Gründe wüßte ich nicht , warum es noch schließen müsste.

Ich denke, es ist oft auch eine Frage der Geduld. Um bei den von mir angesprochenen Ökumenethreads zu bleiben: da haben wir z. T. über hunderte von Posts miteinander gerungen, unsere Meinungen ausgetauscht, nachgefragt, hinterfragt, präzisiert, revidiert…
…und dann war irgendwann alles gesagt, was zu sagen war.

Es konnte erst einmal nichts Neues zu dem jeweiligen Thema hinzukommen, ohne dass wir uns wiederholt und argumentativ im Kreis gedreht hätten. Dann muss man die Sache einfach mal so stehen lassen.

„Stehen lassen,“ ja, im wörtlichen Sinne! Es war ein weitgehend offen lesbares Forum. D. h. jeder konnte unsere Argumentation nachlesen. Damit haben wir der Leserschaft, die von Kalifornien über Saudi-Arabien bis nach Südkorea verteilt war, etwas Wertvolles (unseren Glauben!) zur Verfügung gestellt. Das hätte man „stehen lassen“ können, auch wenn bei einem halben Dutzend Schreiberlingen auch mal Flaute ist.

Es ist falsch, den Wert eines Forums nur nach der gerade aktuellen Aktivität der User zu beurteilen. Da wäre der Fokus viel zu sehr auf das „Innen“, also die Usergruppe gerichtet, und nicht auf das „Außen“, in das wir als Christen doch hineinwirken wollen.

Der Wert einer Bibliothek misst sich ja auch nicht daran, wie viele Neuerscheinungen pro Woche in die Regale kommen, sondern danach, wie viele der Bücher von wievielen Leuten gelesen werden und welchen Gewinn sie für ihr Leben daraus ziehen. Und da gibt es eben kleine Bibliotheken mit Büchern von überzeitlichem Wert und es gibt welche, wo massenweise Zeitschriften von zweifelhafter Qualität angehäuft werden.

AdGentes war sowohl von der Gliederung, dem Webdesign, der Thematik, den Inhalten und auch von den Charaktären der User das schönste und niveauvollste christliche Forum, das mir untergekommen ist. Sein Untergang berührt mich wie der Brand einer wertvollen Bibliothek.

Für uns hier bedeutet das, dass wir nicht dem flüchtigen, schelllebigen Zeitgeist fröhnen sollen. Wir sollten auch nicht zu sehr auf uns selbst fixiert sein. Wir sollten lieber überlegen, warum und für wen wir hier schreiben. Und da kommt es nicht auf die Masse an, sondern auf die inhaltliche Qualität und darauf, welches Zeugnis wir nach außen geben.

Als im April dann die Schließung des Glaubenscafes bevor stand, empfand ich anders:

Dienstag, 9. April 2013, 09:34

Abschied

Ihr Lieben,im Gegesatz zu mehreren anderen Foren, die mir in der letzten Zeit unter der Tastatur weggestorben sind, bin ich um das Glaubenscafe nicht besonders traurig.Natürlich sehe ich die ganze Mühe, die im Aufbau und in der Gestaltung drin steckt. So viele Überlegungen und Gedanken, so viel Sorgfalt. Schließlich habe auch ich sehr viel Zeit hier hineingesteckt.Aber, liebe Freunde, es ist einfach nicht mehr das Glaubenscafe, dass es am Anfang war. Aus dem netten, charmanten Bistro ist eine Imbissbude geworden. Die Frische des Glaubens, die ich zu Anfang hier verspürt hatte, ist mehr und mehr zu einem Ölfilm vermeintlicher Rechtgläubigkeit geworden, der sich in unappetitlicher Weise um jedes Gespräch gelegt hat. Es macht einfach keinen Spaß mehr, hier zu schreiben und zu lesen.Das Bittere dabei ist, dass das GC so große Chancen gehabt hätte. Alle Prominenz der christlichen Forenszene war mal hier, viele sogar angemeldet. Adelfos, Chorbisch, Hibbing, Ernstin, um nur einige zu nennen.Und nun wird auch Ismael seinen Seesack schultern und gehen.Mein Dank an alle, die mir in dieser Zeit so viel Freundschaft erwiesen haben.
Ich denke, irgendwo in der christlichen Weblandschaft werden wir einander begegnen. Denn nach wie vor stehe ich dazu:
Christen, geht auf die Foren!
Also denn, gehabt euch wohl!
Euer ewig heimatloser Fahrensmann Ismael

Diese herben Worte haben die Initiatoren dieses kleinen Portals, ein konfessionsverbundenes Ehepaar aus Berlin, sehr verletzt. Aber die waren gar nicht gemeint. Ich meinte jene fundamentalistischen User, die mit einem Dauerfeuer von Bibelzitaten jede vernünftige Diskussion zunichte machten, die andere Meinungen als satanisch oder als persönliche Anfeindungen behandelten. Und da können irgendwann auch die engagiertesten Freizeit-Moderatoren nicht mehr schlichten. Zumal, wenn sie berufstätig sind, ihre User aber jede Menge Zeit vor dem Mäusekino verbringen. Und da verlor auch ich irgendwann, nach einigen Versuchen, ein paar Regeln für den Umgang miteinander zu etablieren, die Lust:

Mittwoch, 10. April 2013, 14:55
Und so ist es gekommen, dass ich mich hier schon länger nicht mehr wohlgefühlt hatte. Leider habe ich selbst auch nicht die Zeit und die Möglichkeit gehabt, etwas zu verändern. Eher umgekehrt: Ich habe das virtuelle Kettenhemd selbst hier im Hause nicht mehr abgelegt. Ich wurde hart in meiner Rede, musste mich deshalb immer wieder selbst zurückhalten.
Anderswo habe ich anderes erlebt. Bei AdGentes habe ich mich heftig mit anderen gestritten, aber wir haben nie die Achtung voreinander verloren. Und weil wir dabei so viel Persönliches preisgeben konnten, haben wir uns letztlich in einer unglaublichen Tiefe verstehen und lieben gelernt! Im AZ-Forum  mit seinen Tausenden von Postings wird fast überhaupt nicht vom Team aus moderiert, aber immer wieder greifen die User selbst schlichtend ein. Und sie haben dort nicht einmal die Möglichkeit, etwas über persönliche Nachichten hinter den Kulissen zu klären.

Nun, das Glaubenscafe bekam noch bis jetzt Gnadenfrist, nachdem die ärgsten Streithammel ausgebootet worden waren alle anderen Besserung gelobt hatten. Aber es spielte sich thematisch nicht mehr groß was ab, das Forum dümpelte in Belanglosigkeiten vor sich hin. Was nicht heißt, dass dort nicht christliches Leben abspielte: Hinter den Kulissen gab es z. B. starke persönliche Initiativen, als ein User in einer Krise nahe an den Suizid geriet. Besonders solchen Menschen, die in einem virtuellen Netzwerk Halt finden, geht viel verloren, wenn so ein Portal schließt.

Die Moderatoren von AdGentes hatten noch ein Weiteres festgestellt, was konstuktive Diskussionen stört: Facebookismus. Gemeint ist, keine eigenen kreativen Beiträge zu schreiben, sondern nur noch Links auf andere Sites zu posten. Da kann ich mich selbst nicht ganz ausnehmen, ich verlinke inzwischen recht häufig auf meine eigenen Blogs. Allerdings bin ich zum Bloggen eigentlich erst dadurch gekommen, dass ich Beiträge, die mir am Herzen lagen, von Foren retten musste, weil die von Löschung bedroht waren. Also habe ich sie in ein eigenes Blog kopieren müssen. Ein Teufelskreis: Zeit und Mühe in Forenbeiträge zu investieren, ist ein Risiko. Ein frustrierter Webmaster könnte ja Feuer legen. Also publiziert man doch lieber gleich im eigenen Hause.

Und doch fehlt mir etwas. Nämlich der lebendige Austausch mit Menschen die vielleicht ganz anders Denken als ich, die ganz andere Erfahrungen haben. Die mir gerade dadurch etwas geben können und ich ihnen. Deswegen möchte ich Internetforen zu Glaubensfragen nicht missen.

Nur kenne ich zur Zeit kein Gutes.

Kurzmitteilung

Ökumenisches Gespräch als Diskurs.


Nach unerquicklichen Scharmützeln mit Fundamentalisten, sowohl evangelikalen wie schwarzkatholischen, habe ich einmal ein paar Gedanken zum Diskussionsstil im Internet gemacht. Wegen bevorstehender Löschung des Glaubenscafe.de kopiere ich den Post hierhin:

Dienstag, 3. April 2012, 08:26

Ökumenisches Gespräch als Diskurs

Ich denke, das ökumenische Gespräch sollte als Diskurs geführt werden. D. h. jeder hat die Möglichkeit, seine Meinung, seine Erfahrung darzutun, aber immer in dem Bewusstsein, dass dieses eben nur eine Sichtweise von vielen ist.Niemand hat dabei das Recht, mit der Haltung des einzig Rechtgläubigen seine Erkenntnisse als „die Wahrheit“ schlechthin zu bezeichnen. Auch dann nicht, wenn er sich dabei auf die Bibel oder dogmatische Schriften einer Kirche beruft. Auch darf niemand einem anderen das Christsein oder einer anderen Glaubensgemeinschaft das Kiche-Sein von vorn herein absprechen.So – insbesondere im Internet – zu reden und zu schreiben ist eine Kunst, die erst erlernt werden muss, und zwar immer wieder neu.
Vielleicht könne folgende „Übungen“ dabei helfen:

  • Sich klar machen, warum man überhaupt ins Netz geht.
    Um Informationen zu gewinnen?
    Um sich selbst zu bestätigen?
    Um Gemeinschaft zu erfahren?
    Um einander zu ermutigen?
    Um sich durch die Erfahrungen anderer bereichern zu lassen?
    Um eigene Ansichten hinterfragen zu lassen und daran zu reifen?…
  • Sich klar machen, dass ein Internetforum ein pluralistisches Medium ist.
    D. h. die Begegnung mit andersartigen Menschen und Meinungen zum Wesen des Internet gehören.
    Das erfordert Toleranz (= das Ertragen des anderen, nicht aber zwangsläufig die Übenahme seiner Meinung) und Fairness als Grundvoraussetzung.
  • Von sich selbst schreiben.
    Eigene Erkenntnisse und Erfahrungen anbieten, ohne sie den anderen überstülpen zu wollen.
  • Sich für den anderen aufrichtig interessieren.
    „Zuhören.“ (Wie heißt das, wenn man am Bildschirm liest?)
    Was bewegt den anderen, der da schreibt?
    Welche Erlebnisse/Erfahrungen haben ihn/sie geprägt und zu seiner/ihrer Einstellung gebracht?
    In wie weit ist der Beitrag des anderen eine Bereicherung für mich?
    Sei es, dass ich etwas übernehmen möchte, sei es, dass durch den Kontrast meine eigene Einstellung an Kontur gewinnt.

Wenig hilfreich sind m. E. Erfahrungen und Meinungen aus zweiter Hand.

So weit mein Versuch.

Euer Ismael

Link

Brief eines 78er Alt-Ökis an (eine) Jugendliche von heute.


Teich

http://textschiff.wordpress.com/2013/09/02/das-knistern-von-kandis-im-tee/

Ein recht langer Brief eines Alt-Ökis an eine heutige Jugendliche – oder die junge Generation allgemein – aber gleichzeitig an die „Generation Golf“, von der er sich verraten fühlt. Hier zu lesen.

Das Wolpertinger Osterlamm


Dies ist nicht nur ein Rezept, sondern auch eine kleine Geschichte. Die Geschichte von der Entstehung des Osterhasen nämlich. Sie nimmt ihren Anfang in der Bibel. Obwohl der Osterhase selbst da gar nicht vorkommt. Aber der Reihe nach:

Unmittel­bar vor dem Auszug aus Ägypten, so erzählt das zweite Buch Mose, feierten die dort in Knechtschaft lebenden Israeliten ein Frühjahrsfest. Zu dem Fest­essen gehörten die ersten Gaben von Feldern und Weiden, also das noch un­gesäuerte Brot und die gerade ge­borenen Lämmer. Sie sind noch heute fester Bestandteil der Pessachfeier, das die Juden seit dem an die Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten erinnert.

Auch im Abendland, wo das Lamm zu einem Symbol für Christus wurde, wurde das Essen von Lammbraten zu einer österli­chen Tradition. Aber nur wenige konnten sich diesen Luxus leisten. Den Armen blieb nichts anderes übrig, als sich ein Lamm aus Hefeteig zu ba­cken. Und das geht (heutzutage) so:

Man nehme:
500 g Weizenmehl (davon können 150 g Vollkornmehl sein) siebe es und vermische es mit
1 Päckchen Trocken-Backhefe
1 Teelöffel Zucker
1 gestr. Teelöffel Salz
geriebener Zitronenschale
2 Eiern
50 g zerlassener Butter
¼ l lauwarmen Wasser. Den Teig mit dem elektrischen Rühr­gerät (mit Knethaken) zunächst lang­sam, dann mit höchster Geschwin­digkeit ca. 5 Minuten rühren. Den Teig dann an einem warmen, vor Zugluft geschützten Ort (Bett mit Wärmflasche) gehen lassen, bis er etwa das doppelte Volumen hat.Noch einmal durchkneten und in ver­schieden große Rollen für Körper, Beine, Hals, Kopf, Ohren und Läm­merschwanz aufteilen. Daraus auf dem gefetteten Backblech ein Lamm in Seitenansicht zusammenfügen. Auf eine gute Verbindung der „Ge­lenke“ achten, sonst gibt es Arthritis. Mit dem Messerrücken Fell und Nase ein­ritzen und das ganze noch einmal gehen lassen.
1 Ei schlagen und das Lamm damit ein­streichen,
1 Mandel als Auge einsetzen,nach belieben
Mandelsplitter, Mohn oder Sesam als Fell auf den Körper streuen.
 Backen: Lehmkuppelofen: mit Astholz einhei­zen, bis die Rußschicht an der Rück­seite des Ofens zu grauweißer Asche… ach so, Sie haben keinen Lehmofen?! Na gut, also:

Elektroherd: 200 – 225 °C

Gasherd: Stufe 4,

ca. 20 – 30 Minuten backen.

Wenn das Lamm zu schnell braun wird, mit Alufolie abdecken.

Vor dem Schlachten – äh – dem Anschneiden meine ich natürlich, die Kinder raten lassen, was das wohl sein soll. Ein Lamm? Super! Dann sind Sie hochbegabt. Oder haben sich die Ohren beim Gehen des Teiges etwa zu überdimensionierten Löffeln verformt? Ist aus dem niedlichen Lämmer­schwanz ein rundes Knürzelchen geworden? Dann wissen Sie nun, wie der Osterhase entstanden ist: aus einem mutierten Osterlamm nämlich. Viel­leicht hat die Evolution in Ihrem Backofen auch ein Mischwesen hervorge­bracht, einen Wolpertinger sozusagen.

Trösten Sie sich, das ist den Bäckern früher auch so gegangen! Und das über Generationen hinweg, so dass man schließlich gar nicht mehr wusse, dass es eigentlich ein Lamm und nicht etwa Hase oder ein sonst was sein sollte.

Als den Zuckerbäckern mit dem Überseehandel in der Kolonial­zeit endlich Schokolade und Marzipan zur Verfügung standen, stiegen sie  sofort auf dieses besser formbare Material um. Ohne nachzuforschen, welche kulturgeschichtliche Wurzel dem österlichen Viehzeug  zu Grunde lag, modellierten sie ein Langohr. Süß und säkular. Das Ergebnis ist der Osterhase, wie wir ihn heute kennen.

Das Wolpertinger Hefeteiglamm, das ursprünglich ein richtiges Lamm hätte sein sollen, war damals schon in Vergessenheit geraten. Es steht unterdessen auf der roten Liste der bedrohten Gebäcksorten. Es wäre schön, wenn Sie eine Nachzucht be­ginnen würden. Es schmeckt nämlich so gut! Ich esse es am liebsten mit Butter, Honig oder Konfitüre.