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Was würdest du tun, wenn du noch sechs Monate zu leben hättest?

22. Mai 2015

Vorhin hatte ich mir hier auf Grund einer Blogparade Gedanken gemacht, wie wohl der letzte Tag meines Lebens aussehen könnte. Der letzte Tag, – da ist sicher fraglich, ob man da noch etwas bewusst gestalten könnte.

Aber was wäre, wenn man noch ein halbes Jahr hätte?

Dazu hatte ich in einem anderen Kontext mal etwas geschrieben. Als kleinen Impuls kopiere ich hier ein Zitat des langen Textes hierhin:

„[…] Damals [in den 80er Jahren] war gerade die AIDS-Problematik in den Medien aufgekommen. Die Berührungsängste, nicht nur mit HIV-Infizierten, sondern überhaupt mit der ganzen Thematik, waren groß. Es gab viel Aufklärungsbedarf. Ich hatte eher Zufällig die Gelegenheit, dazu an einem Seminar der Caritas teilzunehmen. Dort hatte einer der Workshops das Thema: “Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nur noch sechs Monate zu leben hättest?”

Wir haben viel diskutiert, uns ausgetauscht und sogar “Dialoge am Sterbebett”  improvisiert. Da kam so einiges zusammen! Viele Gedanken, die dann, auf gelbe Kärtchen geschrieben, an der Plakatwand hingen.

Die Semiarleiterin ließ irgendwann ihren Blick über die vielen Stichworte gleiten und las ein paar der Dinge vor, die wir vor unserem letzten Schnaufer unbedingt noch getan haben wollten.

Sie schaute schweigend in die Runde.

Dann schrie sie sie uns  an: “DANN MACHT DAS DOCH!”

Wir zuckten zusammen.
Ja, aber wieso eigentlich? Sie hatte doch recht!

Okay, wenn man damit rechnen darf, dass der Sensemann doch nicht in einem halben Jahr, sondern in einem halben Jahrhundert an die Tür klopft, wird man nicht unbedacht sein Konto plündern und alles Ersparte für eine Weltreise ausgeben. Das ist schon richtig. Aber Keller und Dachboden aufräumen, um sich von allem überflüssigen Ballast zu trennen? Einem  fast vergessenen Menschen endlich mal wieder einen Brief schreiben? Jemandem, wo es lange überfällig war, Danke sagen? Einem Menschen, den man verletzt hat, um Vergebung bitten? Selber Vergebung aussprechen, Frieden schließen? Frieden schließen, – vielleicht auch mit sich selbst?

Und:
Jeden Moment des Lebens intensiv leben, keinen Augenblick verplempern?

Warum nicht jetzt, heute?

Warum damit warten, bis Gevatter Tod die Sense wetzt und es zu spät ist?

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From → Allgemein

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