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Christen, geht auf die Foren!

28. November 2012

„Danke für die liebe Begrüßung.

Aber ich werde zum 30.11.2012 mich wieder hier verabschieden. Danke für die Gastfreundschaft und seid lieb zueinander.“

Ein Eintrag auf einem christlichen Internetforum. Ein Forum, wie es sie viele gibt. Von einem ambitionierten Freikirchler ins Leben gerufen, mit verschiedenen Unterforen über Gott und die Welt, Glaubensfragen, die Bibel, Familie und Gesellschaft, Kochrezepte und Kino, bis hin zu einem für Frauen mit Missbrauchserfahrungen reservierten Bereich, der nur mit Kennwort zugänglich ist. Eigentlich liebevoll gemacht, das alles. Und für die Teilnehmer kostenlos. Doch die Nutzerin verabschiedet sich nach einer stillen Hospitation von gerade mal zwei Wochen. Immerhin, sie verabschiedet sich. Viele andere verschwinden wortlos.

Warum?

Schaut man sich die Diskussionsbeiträge an, wird einem schnell eines klar: Das Internet ist nicht die Demokratie der Geistreichen, sondern die Diktatur der Zeitreichen. In diesem Falle, und auf unzähligen anderen christlichen Foren auch, sind es wenige Radikale, die das Wort führen. Also mehrheitlich Fundamentalisten. Im oben genannte Fall sind es Evangelikale, die von ihrem persönlichen  Bekehrungserlebnis beflügelt, die Bibel auslegen. Dagegen wäre nichts einzuwenden, weder gegen eine existentielle Glaubensentscheidung noch gegen das protestantische Urrecht, die Schrift eigenständig zu interpretieren.

Das Erschütternde ist die schroffe Rechtgläubigkeit, die immer wieder in Rechthaberei umschlägt: die völlige Unfähigkeit zum Diskurs. Wer eine andere Meinung vertritt, wird gerne mit einer Salve von Bibelversen eingedeckt, manchmal beginnt auch ein nervtötender Bibelverspingpong zwischen den Kontrahenten. Dabei fällt es den Schreibern schwer, die Verse im Zusammenhang der jeweiligen Passage, des biblischen Buches oder der heiligen Schrift als Ganzes zu sehen. Mitunter scheint es, als habe es nie so etwas wie historisch-kritische Exegese oder überhaupt Theologie gegeben. Manch ein geistliches Konzept beschränkt sich auf die Aussage „Ich habe mein Leben Jesus übergeben und alles Weitere ist überflüssig!“ Gelegentlich wird sogar Gemeindearbeit, Gottesdienst und Taufe als überflüssig betrachtet, die Grenze zum Sektiererischen ist schnell überschritten.

Auf vieren der sechs katholischen Internetforen, die ich kenne (darunter kleine und große), ist es um die Kultur des Diskurses nicht besser bestellt. Dort sind es in der Regel Zitate aus dem Katechismus der Katholischen Kirche oder dem Codex Iuris Canonici, die, mit der absoluten Autorität des kirchlichen Lehramtes ausgestattet, jede weitere Diskussion unmöglich machen sollen.

Wer sich dieser von mir so düster gezeichneten Szenerie stellen will, braucht ein virtuelles Kettenhemd aus Langmut, Toleranz, Bildung (sowohl Herzensbildung wie theologisches Grundwissen) und vor allem ein gerüttelt Maß an Humor. Und er braucht Zeit.

Und genau dazu fordere ich auf! Immer wieder lade ich Christen ein, in solche Communities einzusteigen. Bislang ohne Erfolg. Die religiösen Extremisten behalten die Lufthoheit im Web.

Natürlich ist es nur zu verständlich, wenn Christen sagen: „Igitt, nein! Der harsche Ton dort entspricht nicht meinen Vorstellungen von christlicher Nächstenliebe! Für niveaulose Scharmützel opfere ich keine Zeit, dafür sind mir meine Nerven zu schade!“ Oder sie meinen, es solle doch jeder nach seiner Facon selig werden, also lasst die Fundis, Solitärchristen und Dunkelkatholiken doch machen, was sie wollen, wenn sie damit glücklich sind.

Was dabei zu leicht vergessen wird: All diese Websites – egal wie und von wem sie gemacht werden! – sind ein Schaufenster der Christenheit nach außen! Und Internetforen sind dies in viel stärkerem Maße als so mancher wohlgepflegte Blog. Auf Foren findet ein viel stärkeres Maß an Interaktion statt als bei Autorenblogs, die, wie der Name Weblog schon sagt, mehr den Charakter von Büchern bzw. Journalen haben und nur dann im Netz gefunden werden, wenn sie exzellent mit Suchbegriffen ausgestattet sind.

Wir Christen haben einen Verkündigungsauftrag. Wir dürfen ihn weder auf Pastoren und Gemeindereferenten abschieben noch können wir ihn einigen Fundamentalisten und religiösen Randfiguren überlassen. Verkündigung heißt hier nicht nur missionarisches Reden in einer säkularer werdenden Umwelt, sondern auch die Sorge um eine breite geistliche Bildung*. Dazu müssen wir dorhin gehen, wo Leben ist, wo wir wahrgenommen werden. Für den Apostel Paulus war das z. B. der Markt in Athen. Der Marktplatz der Meinungen, auch der religiösen Meinungen, wird mehr und mehr das Internet. Die Bezeichnung „Forum“ ist hier nur zu treffend!

Noch einmal die eingangs zitierte Besucherin, die sich son nett wieder verabschiedete:

„Was ich da gelesen habe lässt mir teilweise die Haare zu Berge stehen.“

Und: sie bezeichnet sich als „andersgläubig“. Wie vielen Anders-, Nicht- oder Weniggläubigen mag das so ergehen? Wieviele Chancen zum konstruktiven und gewinnenden Austausch lassen wir noch verstreichen?

Deshalb in aller Eindringlichkeit:

Redet, Christen! Redet und schreibt! Geht auf die Foren!
___________________________
*Wer von der Notwendikeit einer theologischen Grundbildung nicht überzeugt ist, der sollte einmal durchschnittliche Gottesdienstbesucher bitten, die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes zu erklären. Das Ergebnis dürfte ernüchternd sein.

___________________________

Post scriptum 9.10.2013:

Inzwischen haben sich auch die Initiatoren des oben zitierten Forums zurückgezogen und das Website wurde gelöscht.

Mehr zum Sterben der Internet-Foren hier.

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16 Kommentare
  1. Da kann ich nur mit einstimmen, denn ein Forum ist nicht nur „meine Meinung loswerden“, auch, sicher, aber es ist auch ein Wachstum, miteinander, füreinander! Ein Forum ist ein Glaubenstisch, so wie in der Küche, an dem alles erzählen kann, aber auch hören, zuhören muss, denn vielleicht hat auch der Andere recht. Ein Forum braucht all unsere Gaben, die uns Gott zur Verfügung stellt, es ist spritzig und tiefsinnig zugleich, es braucht engagierte Menschen, die sich auch bei einer nackten Seele nicht schämen.
    Genau das, was unsere Zeit, unsere Welt heute braucht: engagierte Christen.
    Aber vielleicht ist es deshalb so schwer, jemanden für die Foren zu begeistern.
    Danke, Ismael, ich brauch jetzt eine längere Forumspause aus gesundheitlichen und anderen Problemen, wo mir die fast absolute Stille eine Hilfe sein kann. Aber was mir das Forum gegeben hat, und was ich ihm geben durfte, das weiss nur Gott. Viel, sehr viel! 😀

  2. Liebe Filia,
    das Forum, von dem du schreibst und an dem du mit so viel Herzblut mitgewirkt hast, ist eines der wenigen (eigentlich das einzige, das ich kenne!) wo mit auf hohem Niveau und doch ohne hochtheologischen Atitüden, vor allem aber mit sehr viel Charme und Herzlichkeit geschrieben wird!
    Es ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass es *doch geht*, dass man sich bei allen konfessionellen Gegensätzen nicht nur gegenseitig achten, sondern unglaublich bereichern kann!

  3. Zilli permalink

    Hallo Ismael, ich weiß genau, von welchem Forum du schreibst. Ich habe dort 2 Anläufe versucht. Einmal habe ich mich verabschiedet, beim 2. Mal habe ich mich einfach löschen lassen. Es hat auch keiner weiter mehr gefragt. Ich habe da meist nur gelesen und war einfach entsetzt über die Streitereien.
    Nein, dann lebe ich lieber im realen aktiven Leben mein Christ sein als mich mit dieser Rechthaberei auseineinander zusetzten. Christ sein heißt es leben und nicht mit Worten um sich schmeißen.
    Und dieses eine gute, wirklich präsentative Forum, dass vermisse ich so ungemein.
    Gruß Zilli

  4. Liebe Zilli,
    wenn man, so wie du und ich, mit gewissen Ansprüchen an Diskussionskultur und Umgangsformen auf so ein wildes Forum gerät, ist man natürlich erst einmal schockiert. Man zieht den Kopf ein oder lässt es schnell ganz bleiben. Es ist nicht jedermanns Sache und bestimmt auch nicht jedermanns Berufung, sich dem auszusetzen. Deswegen: volles Verständnis für deinen Rückzug und den all der Anderen.

    Das Problem ist nur, dass die lautstarken Radikalinskis mit ihren mitunter sonderbaren Ansichten und problematischen Umgangsformen unter sich bleiben, gleichzeitig aber eine große Öffentlichkeitswirkung haben. Der Tonfall dort beruht oft auf Rückkopplung: So wie ich in den Wald hineinrufe, so schallt es wieder heraus. Ich merke es an mir selbst. Ich fühle mich als Einzelkämpfer in meiner Rolle als Apologet unter lauter Fundis. Entsprechend scharf oder auch schulmeisterlich werde ich dann selbst, ich passe mich gewissermaßen der Mehrheit an. Nicht inhaltlich, aber im Ton. Es ist nicht einfach, die Contenance zu wahren, wenn man ein halbes Dutzend unsachliche Fories (mehr schreiben da normalerweise gar nicht) gegen sich hat, die obendrein über jede Menge Zeit verfügen.

    Wenn man ein oder zwei Dutzend „normale“, aber in kirchlichen Dingen erfahrene, glaubensstarke und engagierte Christen an der Seite hätte, ginge es viel entspannter zu. Auch die Fundis würden davon profitieren. Denn auch siel leiden unter den häufigen Entgleisungen, das geht aus den Metadiskussionen ganz deutlich hervor. Sie merken selbst ganz deutlich, dass da „was“ nicht stimmt, können sich allein aber nicht aus dem Sumpf ziehen.

    Also, ich bin überzeugt, das es gehen könnte, wenn nur genügend Mutige mitmachen.

    Herzlich, dein Ismael

  5. Lieber Ismael,

    danke für Deinen mutmachenden Artikel. Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich möchte noch hinzufügen, dass ich es auch schade finde, dass viele Christen brav stille schweigen, gerade wenn es auch in den Foren der Presselandschaft hoch hergeht und dort *die Kirche* und *der Glauben* auf manchmal schwer zu ertragende Weise von Foristen diskreditiert werden. Auch und gerade diese Foren müssen wir stürmen. Selbstbewusst und nicht verschüchtert….

    liebe Grüße

    Chris

    Lesetip: http://networkedblogs.com/FhiyB

  6. Die Diagnose der Foren kann ich nachvollziehen, jedenfalls soweit ich sie kenne. In mehr als einem gleichzeitig mag ich nicht aktiv sein, einfach weil es auch zu viel Zeit kostet. Mein Problem dabei ist, dass ich weder Lust habe, ständig als der Kritiker und Skeptiker rüberzukommen, noch durch neutrale Beiträge den Eindruck zu erwecken, die dort vorherrschenden tlw. sehr unausgegorenen und manchmal schlicht inakzeptablen Interpretationen des Glaubens mitzutragen.

    Zur Fußnote Dreifaltigkeit: Man könnte auch durchschnittliche Theologieprofessoren um Auskunft bitten. Das Ergebnis dürfte wortreicher, aber inhaltlich kaum weniger ernüchternd sein.

  7. KlarundWahr permalink

    Hallo! Unabhängig von dem hier besprochenen Forum sehe ich, welche Kommentare z.B. bei tagesschau.de, man muss es so sagen, zugelassen werden. Alles andere außer Christen dürfen sich outen und dort Kommentare hinterlassen. Schreibe ich, ich sei Christ und sehe das so und so, dann wird mein Beitrag zensiert – wie lieb und nett auch immer der Rest von mir geschrieben wurde.

    Weiter bin ich entsetzt über Kommentare, die katholische Christen über evangelikale ablassen und
    evangelische Landeskirchler gegenüber Freikirchler etc. „Toll“, so eine Uneinigkeit.
    Beispiele: Durch eine Teilnahme an einer Demo gegen Christenverfolgung 2011 wurde ich von einem Pfarrer zum „Rechtsradikalen“ denunziert. Danke!
    Oder: Weihnachten im Schuhkarton! Dagegen sprechen sich die Kirchen aus, weil eine kleine NT Bibel beiliegt: Evangelisieren sei unredlich! Hallo! Weltfremdheit? Was geschieht gerade in Deutschland und der Welt?
    Palästinenser, die Bonbons an Kinder verteilen, wenn per Selbstmordanschlag ein Bus in Israel hochgejagt wurde, bei denen mutige Bibelladenbesitzer getötet und zwei mal der Bibelladen in die Luft gejagt wurde, die Israel beschießen und sich immer nur als „Opfer“ sehen, die wurden gestern geadelt.
    Ebenso der „Friedensprozeß Arabischer Frühling“ in Ägypten – immer wieder werden Vergleiche zu den Christen gezogen und dabei die in Ägypten vorherrschende Gewalt gegen Andersgläubige und gegen Frauen verharmslost. Ich bin auch der Meinung, dass Christen sich unbedingt äußern sollten, und zwar so nah dran am Vergleich mit Jesus Christus, wie es geht. Und ich bin der Meinung, dass die Christen, welchen Schwerpunkt sie auch immer legen, sich auf ihre Gemeinsamkeit, nämlich Jesus Christus, konzentrieren und miteinander beten!

    In einem Rundfunkrat wurden Freikirchler herausgeschmissen und statt dessen Muslime eingesetzt. Firmen nennen ihre Feiern Ende des Jahres Jahresabschlussfest statt Weihnachtsfest. Das ZDF bringt eine Satire Sendung gegen Christen im Kulturkanal, Bibel TV wurde im Rhein-Main Gebiet aus der DVB-T Ausstrahlung herausgenommen, Spiegel seziert den christlichen Glauben mit Halbwahrheiten und schlechter Recherche und, und, und. Kinder und Jugendliche werden nicht mehr an Nächstenliebe, Demut etc. herangeführt – Eltern sind erziehungstechnisch immer mehr überfordert und finden immer weniger positive Vorbilder (Thema ist nur kurz angerissen hier – arbeite in diesem Bereich und stelle eine rapide Verschlimmerung gigantischen Ausmaßes fest).

    Es gibt viel zu tun. Lasst uns Christen zusammenhalten und endlich für dieses Land beten!

  8. bundesbedenkentraeger permalink

    Foren… gibt’s da noch so viele? Ich war vor fast 10 Jahren recht aktiv im Forum der JesusFreaks. Die hatten damals wohl vergessen, daß sie überhaupt ein Forum hatten, es wurde nicht moderiert, und so kam es zu recht viel Publikumsverkehr von allen möglichen Menschen: Neoheiden, Satanisten, Christen jeglicher Couleur, Atheisten, und einige davon recht aggressiv. Allerdings war auch immer noch Gespräch möglich, sobald man die Leute mal aufgefordert hatte, vom eigenen Glauben oder Unglauben Zeugnis zu geben, und dann mal Rückfragen gestellt hat.
    Diese eigentlich recht bunte, aber auch schöne (wenn auch mitunter ruppige) Atmosphäre ging erst verloren, al die Freaks ihr Forum wiederentdeckten, und alles „unchristliche“ verbannten. So wurde auch mein Konto zwei Mal gesperrt, und irgendwann kam niemand mehr ins Forum, das Ganze ging ein…
    Seitdem hab ich eigentlich kein Forum mehr gefunden, in dem man so frei diskutieren konnte, und irgendwann hab ich die Forenwelt ganz aus den Augen verloren. Aber wenn Du jetzt ne Task Force aufstellen willst, um irgendwo ein bißchen Ruhe ins Chaos zu bringen, ich hätte auf jeden Fall Interesse.

  9. diakonisch.de permalink

    Lieber Ismael,
    mir geht es selbst auch sehr auf die Nerven, dass viele Netz-Diskussionen rund um Religion, Glaube und Kirche von fundamentalistischen und kritikresisten Leuten dominiert werden. Deshalb gefällt mir dein Aufruf. Allerdings sind Foren nicht so meins, ich versuch es halt mit Bloggen (und demnächst wird bei mir wohl noch Twitter dazukommen…).

    Was ich immer überlege, wenn ich woanders kommentiere: Mit Klarnamen oder nicht? Das ganze Rumgetrolle funktioniert ja oft deshalb nur so „gut“ (im negativen Sinne), weil man anonym bleiben kann. In meinem eigenen Blog kann jeder meinen Namen lesen. In anderen Blogs kommentiere ich entweder mit meinem WordPress-Account (so wie jetzt hier) oder ich verlinke auf mein Blog, dann weiß man mit zwei Klicks, wer dahinter steckt.

    Wenn ich mal woanders kommentiere, überlege ich mir das sehr gut, oft mache ich es dann unter einem ganz anderen Kürzel, weil ich einfach keine Lust habe, dass Rumgepampe dann gegen mich persönlich geht (gegen einen Fantasienamen macht mir das nichts aus).

    Andererseits überlege ich auch, ob es sich überhaupt lohnt, in von dir beschriebenen Foren Flagge zu zeigen – ob mit oder ohne Namen. Die Aufmerksamkeit, die man damit Fundi-Christen schenkt, ist es nicht wert. Und niemand wird wohl dort durch einen kritischen Kommentar nachhaltig ins Nachdenken gebracht. Dazu sind die entsprechenden Weltbilder oft viel zu geschlossen (im Gegenteil, Kritik bestärkt eher fundamentalistische Ansichten). Dann lieber ignorieren.

    Anders ist es in in Foren der Presselandschaft – wie christophhuebener (s.o.) angemerkt hat. Da täte eine Präsenz von Leuten, die alle Fünfe beisammen habe, sicherlich sehr gut. Aber das ist in der Tat sehr zeitaufwendig. Ich schaffe so etwas nicht – komme ja mit dem Lesen oft gar nicht hinterher.

    Mein Weg ist es daher, dazu beizutragen, dass ein inhaltlich gutes Web 2.0 entsteht. Deshalb Bloggen. Denn Blogs sind die Seele von social Media (Sascha Lobo). Und dann machen auch Fecbook und Twitter Sinn, um auf die Blogposts hinzuweisen.

    Soweit meine Gedanken.
    Martin…

  10. Viele Themen, viele Beispiele, auf die wir hier nicht einzeln eingehen sollten, das würde zu weit führen. Aber sie machen eines deutlich: Es ist schwer, im Web einen *Diskurs* zu führen. Also eine eigene Meinung zu vertreten, dabei aber zu akzeptieren, dass der Andere seine Meinung mit gleichem Recht vorträgt. Niemand hat dabei die Wahrheit für sich gepachtet, sie muss immer erst errungen werden. Und zwar durch den Austausch von Argumenten, nicht durch das Diskreditieren des Gegenübers. Selbst dann, wenn es nicht zu einem Konsens kommt, ist es nach meiner Erfahrung eine Bereicherung, andere Denkweisen kennengelernt zu haben und eigene Sichtweisen zu klären.

    Es geht also nicht nur um das christliche Bekenntnis, sondern auch um die Kulturtechnik des Diskurses, wofür ich hier werbe.

  11. Hallo Martin!

    In vielem gebe ich dir Recht! Eine Zeit lang war ich nur auf Foren aktiv. und nun bin ich, wie man sieht, unter die Blogger gegangen. Auslöser dafür war, dass die Community des Portals „evangelisch.de“ komplett gelöscht worden ist. Da wollte ich einiges dort von mir Begonnene retten und weiterführen. Im eigenen Weblog ist man Herr im Hause, sowohl über eigene Artikel wie auch über Kommentare: Man muss sich nicht alles bieten lassen.

    Es erstaunt mich immer wieder, wie oft und von wo dieses Blog angeklickt wird: Von den USA, Kanada und Brasilien geht es rund um den Globus bis Japan und Südkorea. Noch interessanter: Die Suchbegriffe, mit denen Google & Co auf meinen Blog leiten. Man spürt daran ein wenig, was die Leute bewegt. Und das wiederum bewegt mich!

    Allerdings wird nur ein bestimmtes Klientel erreicht. Die Surfer, die mit Suchmaschinen arbeiten und eine relativ kleine Szene von Bloggerkollegen.

    Die christlichen „Fories“ sind wieder eine anderes Millieu von Internetnutzern. Jedenfalls zum größten Teil. Die meisten von ihnen sind viel weniger journalistisch ambitioniert als die typischen Blogger. Gemeinschaft und persönliche Erlebnisse haben in den Communities (christliche Foren haben oft Communitycharakter) einen höheren Stellenwert. Sofern sie offen zu lesen sind, ist die Breitenwirkung jedoch enorm, gemessen an Klicks auf einzelne Threads. Gut, manche schlafen ein, wie Benni es oben beschrieb, mache werden, wenn der Webmaster pennt, gekapert. Aber viele entfalten eine ungeheure Dynamik. Und diese Dynamik dürfen wir nicht vernachlässigen.

    Da können sehr wenige kluge Köpfe viel erreichen. Ich denke dabei an das Forum des als als dunkelkatholisch bekannten Portals kath.net. Nicht nur wegen der aus dem „Herrn der Ringe“ entnommenen Nicks einiger Teilnehmer, sondern auch wegen der dort in düsteren Sümpfen ausgetragenen Schlachten hat sich der Site den Spitznamen „Mittelerde“ eingefangen. Aber mit dem Auftreten einiger mit Herzensbildung ausgestatteten Diskutanten (darunter eine handvoll Evangelischer!) hat sich das Klima dort entscheidend zum Besseren gewendet.

    Die Registrierungspflicht bie Foren kann zumindest in Grenzen eine gewisse Verantwortlichkeit für das Geschriebene sichern.

    Anders ist das bei Nachrichtenportalen, die Gastkommentare zulassen. Viel mehr als bei Foren gibt es hier „Möwenschisskommentare“. Da wird, ohne das Voraufgegangene zu lesen, aus dem Bauchgefühl heraus eine ätzende Meinung abgeworfen, ohne zu bedenken, wie und wo das ankommt. Masse statt Klasse, qualifizierte Diskussionen gibt es da selten. Da ist es in der Tat müßig, viel Zeit für die sorgfältige Ausformulierung von Argumenten zu investieren. Selbst wenn man sich die Mühe macht: Nach dem zehn weitere Vögel ihren Sch… abgelassen haben, liest das sowieso kieiner mehr.

    Was Klarnamen und Nicks anbelangt, so empfehle ich, ein Pseudonym zu wählen, sofern man nicht von Berufs wegen erkennbar sein will. Allerdings behalte ich mein Pseudonym verbindlich bei, wenn nichts Zwingendes entgegen steht. Soviel Rückgrad muss sein! Schöner wäre es natürlich, unter Klarnamen zu schreiben. Aber nicht jeder meiner neugierigen Nachbarn, die mir aus lauter Lust und Dollerei nachgoogeln, können mit so viel Wahrhaftigkeit verantwortungsvoll umgehen. Zu schnell hätte ich das Image eines Sektenjüngers weg, wenn ich zu geistlichen Themen schreibe. Ich hab da schon Dinger erlebt… Das ist eben eine Schattenseite der all zu leicht zugänglichen Informationen.

  12. Anna Maria permalink

    Schalom!
    „Was Du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Mit dieser Einstellung kommt man sowohl im realen Leben sehr weit, als auch in einem Forum.
    Eine Frage an Ismael: Wie bekomme ich ein anderes Anzeigenbild?

  13. Diese Scherenschnitt-Anzeigenmuster werden automatisch an Gastkommentatoren vergeben. Wenn du dich bei wordpress.com registrierst, kannst du dir ein eigenes Bild in dein Profil hochladen, das dann auch bei deinen Kommentaren erscheint, wenn du willst. Du könntest dir also ein eigenes Weblog einrichten. Es gibt kostenlose und kostenpflichtige Varianten. Diese hier ist kostenlos und für meine Zwecke vollkommen ausreichend.

  14. Anna Maria permalink

    Danke für den Hinweis, Ismael.
    Gut finde ich, das Evangelium auf dem „Marktplatz“ des Forums zu verkünden, wie Du es tust.

  15. Gerhard permalink

    Mehr als drei Jahre in einigen Foren unterwegs.
    Ich wurde Krank und konnte mich lange nicht richtig im Net bewegen.
    Als ich meine eigene Seite wieder online stellte und meine Links durchsah, waren alle Foren zu.
    Auch viele der Christlichen Webseiten sind nicht mehr . (Außer die such und Single dingsdawasauchimmer und die Großen Verlags Seiten eben)
    Mein kleines Forum erfreut sich seiner zwei User.
    Die hoch Zeiten der Foren war zwischen 2004 und 2008 danach begann das große sterben, und bis 2010 waren dann schon mehr als die hälfte zu.
    Bis 2014 ging das sterben munter weiter. 2 von 20 sind noch und etwa 10 von über 50 Webseiten.
    Tote Links in allen Linkseiten.
    Feg mal einer die Leichen weg.
    LG Klopfer

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  1. Woran sterben christliche Internetforen? | theolounge.de

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