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Wie die frühen Christen mit Wanderpropheten umgingen und was wir daraus lernen können.

8. Oktober 2012
In einem inzwischen gelöschten christlichen Forum  wurde darüber diskutiert, was Prophetie ist und wie man damit umzugehen hat. Ich kopiere mal einen Beitrag von mir:
Die Apostelgeschichte beschreibt uns anschaulich die Reisen des Paulus und sein Leben als von Ort zu Ort wandernder Missionar. Nicht nur Paulus und die Apostel und ihre in der Bibel genannten Mitarbeiter waren so unterwegs. Nein, es müssen in den ersten Jahrhunderten Hunderte, wenn nicht Tausende von Wanderpredigern, Missionaren und – heute ungewöhnlich! – Propheten umhergezogen sein. Unterweisung, Verkündigung und vom Heiligen Geist eingegebenes prophetisches Wort lagen damals nahe beieinander.Nur so konnte sich das Christentum so schnell ausbreiten. Die meisten dieser Reisenden in Sachen Gottes sind uns heute unbekannt. Und auch in den frühen Gemeinden wusste man in der Regel nicht, wer der Fremde war, der da an die Tür klopfte. Jemand, der von Gott gesandt war, um die junge Gemeinde zu unterweisen, zu stärken oder auch mal „wieder auf die richtige Spur“ zu bringen? Oder war es ein Spinner? Ein Sektierer? Oder einfach nur ein Landstreicher, der da kräftig frömmelnd herumräsonierte, aber eigentlich nur durchgefüttert und trocken und warm untergebracht werden wollte? Für den Umgang mit solchen Leuten gab es Regeln. Einige sind in der „Didache“ oder „Zwölfapostellehre“ erhalten, einer frühchristlichen Schrift aus dem ersten Jahrhundert (60 – 65 n. Chr., Datierung Klaus Berger).
Grundsatz war, dass jeder zunächst mal gastfreundlich aufgenommen wurde. Und niemandem wurde a priori abgesprochen, dass er mit der Autorität des Heiligen Geistes redete. Aber man durfte auch nicht alles schlucken, was da jemand von sich gab. Und man brauchte auch keine Schnorrer durchschleifen. Einen Tag und eine Nacht, höchstens aber zwei oder drei Tage nahm man den Fremden auf. So lange hatte er Zeit, zu sagen, was er zu sagen hatte. Also keine Zeit zum langen Schwadronieren. Kein wirres Geschwafel war gefragt, sondern ob der Prediger „gerechtes Handeln und Erkenntnis des Herrn mehren“ konnte (Didache 11, 2, Übers. Berger/Nord). Wer in dieser Frist nicht gesagt hatte, was zu sagen war, der hatte auch nichts zu sagen!
Ein weiterer Gesichtspunkt war geradezu erschreckend simpel: Nämlich die Frage, ob Wort und Handeln zusammen passen. Oder war das jemand, der Wasser predigte und Wein trank? Wenn er um Gaben bat, warum und für wen? Ein paar Reisebrote waren ja okay, aber auf Gewinn sollte der Wanderprediger nicht aus sein! Weiter, ganz wichtig:
Die Zuhörer sollten sich auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen! (Didache 12, 1)

Also, mit heutigen Worten, es geht nicht nur um den Inhalt der Verkündigung, sondern um das ganzheitliche Bild, das der Prediger oder Prophet abgibt! Damit haben wir eigentlich auch gute Kriterien, um heutige Prophetien und Möchtegernprophetien zu beurteilen:

  1. Nicht, ob ein Wort bzw. eine Vision auf „übernatürliche Weise von oben“ kommt, ist entscheidend (das kann sowieso niemand objektiv beurteilen), sondern ob die Botschaft unseren Glauben stärkt und uns weiter bringt.
  2. Wort und Tat gehören zusammen. Das Gesamtbild ist entscheidend. Und, – auch eine vorbildliche und damit zeichenhafte Lebensweise kann prophetisch sein, nicht nur „prophetisches Reden“.
  3. Wer herumschwafelt, ist unglaubwürdig.
  4. Auch gelegentliche parapsychologische Dinge und Déjà-vu-Erlebnisse sind kein Ausweis für den Heiligen Geist. Eher im Gegenteil.
  5. Der Schöpfer hat uns mit durchschnittlich 1,5 kg Hirn ausgestattet. Das ist kein überflüssiger Luxusartikel, sondern ein Gebrauchsgegenstand.
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Zur Bedeutung alttestamentlicher Propheten ein extra Artikel hier.
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