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Daueradvent?

14. September 2012

Das kleine Eichhörnchen hat die Zeichen der Zeit erkannt. Mit dem festen Vorsatz, den Haselstrauch in Nachbars Garten ganz allein vollständig abzuernten, wuselt es unablässig hin und her und versteckt eine Nuss nach der anderen in irgendwelchen Gebüschen. Ja, es hat schon irgendwie Recht: Ex-Hurrikan Leslie, der erste Herbststurm dieses Jahres, hat schon einige gelbe Kalenderblätter von der Sommerlinde abgerissen. Meteorologoscher Herbst, seit zwei Wochen!

Wenn ich auf dem Wochenmarkt nun eine Menge mehr einkaufe als eigentlich nötig, hat das aber einen anderen Grund als die Wintervorsorge von Meister Eichkatz da draußen. Mit meinen Ladungen von Zwetschgen, Heidelbeeren und Erdbeeren (ja, es gibt noch welche!) will ich keine Kalorien für den Winter bunkern, sondern den Sommer noch möglichst lange festhalten. Die Zeit, in der die Bauern nichts als Karotten, Kohlrabi, Kartoffeln und Kohl anzubieten haben, ist schließlich lang genug.

Meine Güte, die meisten Bäume sind wirklich noch grün und vor dem Fenster üben ein paar Schwalben Kunstflug. Die Sonne geht am Nordpol erst in gut einer Woche unter, so lange ist offiziell Sommer!

Für die Supermärkte scheint der 1. September Stichtag zu sein. Seit dem türmen sich im Eingangsbereich des Famila-Supermarktes die Packungen mit Lebkuchen, Zimtsternen und Dominosteinen. Auch bei Aldi ist schon Advent. Oder Winter. Oder… wasweißich.

Früher hat mich das aufgeregt. Noch vor der Tag-und-Nacht-Gleiche und lange vor dem Altweibersommer wird so getan, als müsse man für den Heiligen Nikolaus die geputzten Stiefel vor die Tür stellen! Und im Advent, dem richtigen Advent meine ich, bricht Weihnachten mit ungezählten „Weihnachts“feiern in Betrieben und Vereinen aus. Dabei sollte der Advent doch eigentlich eine Zeit der Ruhe und Besinnung sein. Ursprünglich sogar eine Fastenzeit, wenn auch nicht so streng wie die vor Karfreitag. Der Weihnachtsmann hat den chrstlichen Festkreis in den Sack gesteckt, der eigentliche Sinn von Advent und erst recht von Weihnachten ist da nur noch wenigen Frommen geläufig.

Mit der Zeit bin ich etwas gelassener geworden. Die früher zyklische Wut im vierten Quartal bringt nichts. Es reicht mir, die Stollenberge links liegen zu lassen, einen Bogen um den Budenmarkt in der Fußgängerzone zu machen und den Julklapp in der Firma zu ignorieren.

Aber es bleiben noch Fragen. Was bewegt die Menschen eigentlich, wenn sie im Frühherbst im Supermarkt zu Weihnachtsgebäck greifen?

Ist das so ein „Ist doch egal, Hauptsache es schmeckt“?

Hat das vielleicht alles gar nichts mehr mit Weihnachten zu tun, ist es schlichtweg ein Merkmal der „dunklen Jahreszeit“ geworden? Aber warum endet das alles in dem Geschäften schlagartig am 24. Dezember, obwohl der Winter doch noch weiter geht?

Oder ist da wirklich so etwas wie eine Vorfreude auf das Fest, die man so lange wie möglich auskosten möchte?

Keine Ahnung.

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From → Allgemein

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