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Feierliche Bibelübergabe: Vorschlag für einen Brauch.

17. August 2012

In der evangelischen Kirche gibt es den Brauch, dass der Pastor einem Brautpaar nach der Trauung als Geschenk der Gemeinde eine Bibel überreicht. Aus dem Wort Gottes, so die Intention, soll das Paar Kraft und Weisung für das Ehe- und Familienleben schöpfen.

In einer hiesigen katholischen Gemeinde ist vor einigen Jahren eine Bibelübergabe an die Kinder im Laufe des Kommunionkurses eingeführt worden. Dabei hat man an den frühkirchlichen Ritus der Evangelienübergabe an die Katechumenen bei der Feier der „Annahme“ angeknüpft. Der Auslöser war allerdings trivialer Natur: Der frühere Pastor wollte besonders den kirchenfernen Familien einen wichtigen Anlass verschaffen, doch bitte schon vor der Erstkommunion mal mit den Kindern in die Sonntagsmesse zu kommen. Das ist natürlich zunächst reichlich vordergründig. Trotzdem finde ich die Idee einer feierlichen Bibelübergabe im Gottesdienst gut.

Allerdings nur, wenn so ein Ritus mit der richtigen Haltung durchgeführt wird und als Sakramentalie den richtigen Stellenwert im Leben des Kanditaten bekommt. Da hatte ich Schwierigkeiten, mich bei Eltern und Katecheten verständlich zu machen.

Die zu überreichenden Bibeln wurden individuell von den Eltern, z. T. zusammen mit den Kindern, ausgewählt. Ich kaufte für meinen Sprössling eine Einheitsübersetzung. Dabei achtete ich darauf, keine dieser grauen, schäbigen Klopapier-Ausgaben zu erwischen, es sollte schon ein freundliches, schönes, einladendes Buch sein! Da hinein klebte ich ein Griffregister, bei einem Auto achtet man doch auch auf eine bequeme, praktische Ausstattung! Weil es die Bibel für den täglichen Gebrauch sein sollte, wurde sie in festes rotes Papier eingeschlagen und mit Buchfolie noch robuster gemacht. Also die Bibel für dich, sie soll dich durch dein Leben begleiten!

Andere Kinder bekamen eine Kinderbibel. Nach ein oder zwei Jahren abgelegt, also kein Buch für’s Leben. Wieder andere bekamen die Bibel, die im Jahr vorher schon der ältere Bruder überreicht bekommen hatte. Also nicht die Bibel „für dich“, sondern nur die Bibel „für diesen Ritus“, quasi nur geliehen. Schade! Manche bekamen die Familienbibel überreicht. Richtig feierlich, so ein Erbstück der Ahnen in die Hand gelegt zu bekommen. Aber durften sie sie auch behalten, oder war sie auch nur für diesen Zweck ausgeliehen?

Meine Idee: Ein festes Brauchtum zu schaffen, bei dem jeder (werdende) Christ im Laufe des Erstkommunion- oder Konfirmandenunterrichtes bzw. Katechumenates eine individuell für ihn gedachte Vollbibel in einer praktischen und langlebigen, aber nicht pompösen Ausstattung vom Pastor, vom Katecheten, Paten oder den Eltern überreicht bekommt.

Für eine Bibelübergabe im Gottesdienst wäre direkt vor der ersten Lesung ein liturgisch guter Ort. Dafür sollte man sich etwas Zeit nehmen. Also bei einer Gruppe von Erstkommunionkindern oder Konfirmanden die Bibeln nicht einfach verteilen wie einen Arbeitsbogen, das würde den Akt wieder entwerten. Statt dessen sollte man die Empfänger einzeln mit Namen aufrufen, nach vorne treten lassen und dann jedem/jeder für sich die Bibel mit einem Deutewort überreichen:

„Nimm und lies! Das Wort Gottes gebe dir Kraft und Hoffnung für dein Leben!“

Wenn eine andere Handlung, etwa eine Eheschließung im Vordergrund steht, kann die Übergabe auch gut vor dem Schlussegen erfolgen. Dann bekommt die Bibelübergabe deutlicher den Charakter einer Sendung, und das ist ja auch nicht verkehrt.

Dass eine Einführung, wie dieses geheimisvolle Buch zu benutzen sei dazu gehört, ist selbstverständlich, das gehört in jeden vernünftigen Religionsunterricht! Wo es das nicht gibt, gehört es unbedingt in die Gemeindearbeit.
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Nachtrag:
Offensichtlich stoßen viele auf diesen Artikel, weil sie nach einem Widmungstext oder einem Vers suchen, den sie in eine zu verschenkende Bibel hineinschreiben möchten. Wenn der Anlass z. B. eine Konfirmation ist, bietet sich natürlich der Konfirmationsspruch an. Bei meinen Patenkindern hatte ich den beim zuständigen Pastor erfragt. Die Widmungsseite sah dann so aus (zum Vergrößern draufklicken):

bibelwidmung

Sonst finde ich auch die Folgenden passend:

Fanden sich Worte von dir, so habe ich sie verschlungen, dein Wort war mir Glück und Herzensfreude. Dein Name ist ja über mich ausgerufen, HERR, Gott Zebaoth. (Jer. 15, 16)

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. (Kol 3,16

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht. (Mt 4,4b)

In manchen Lutherbibeln sind auch bestimmte Kernsätze, die Luther besonders wichtig waren, in Fettdruck hervorgehoben. Da kann man einfach mal blättern und gucken, ob ein passender, also ein positiv formulierter, ermutigender und hoffnungsfroher Vers darunter ist. Bei den Psalmen sollte man in jedem Falle mal schauen.

Unpassend in einer Widmung finde ich Sprüche, die einen Aufruf zur Buße enthalten (So wichtig das zuweilen sein mag, hier passt es nicht!) oder die den Adressaten in einer bestimmten Weise manipulieren wollen.

Übrigens: Dieses ist der am häufigsten aufgerufene Artikel dieses Blogs. Und der langweiligste! Stöbern Sie doch mal, was es hier sonst noch so gibt! 🙂

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3 Kommentare
  1. Thomas Jakob permalink

    In unserer Familie ist das schon so üblich. Meine Schwester und ich haben jeweils eine schöne Bibel mit Widmung und Konfirmationsspruch von unseren Eltern bekommen und ich mache das bei meinen Kindern auch so.

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