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Wer schrieb die Bibel?

23. April 2012

Besonders für einige fundamentalistisch geprägte Gemüter ein Reizthema: Wer hat die Bibel geschrieben, wenn nicht der Heilige Geist höchstselbst?! Oder ist sie etwa, wie andere Bücher der Weltgeschichte, durch die Charaktäre und persönlichen Geschicke menschlicher Autoren geprägt, sind ihre Schriften aus konkreten Anlässen und Interessen heraus niedergeschrieben worden?

Für studierte Theologen ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema selbstverständlich. Durchschnittschristen wie mir bleiben solche Gedankengänge in der Regel verborgen. Erst recht lernt unsereins nicht, mit einer Bibel umzugehen, die einerseits das Werk von „Autoren“ sein soll, gleichermaßen aber Offenbarungsschrift zu sein vorgibt. Eine große Hilfe, die Arbeitsweise in der historisch-kritischen Textforschung zu verstehen, war für mich dieses Buch:

RICHARD ELLIOT FRIEDMANN, Wer schrieb die Bibel? Die spannende Entstehungsgeschichte des Alten Testaments. aus dem Amerikanischen von Hartmut Pitschmann. TB. 416 S. (dt. Lizenzausg. Bergisch Gladbach 1992: Lübbe).

Nach einer ausführlichen Einleitung in die Thematik und einem Einblick in die Forschungsgeschichte nimmt einen der Autor in 14 Kapiteln auf eine Reise durch die Geschichtsbücher des Alten Testament mit. Er beginnt jeweils mit einer Charakterisierung der historischen Situation in den verschiedenen Epochen und beginnt dann die Suche nach den Tätern – Verzeihung! – den Verfassern der Schriften mit einer Indizienanalyse, an der Sherlock Holmes seine Freude gahabt hätte, wenn er sich nur jemals für Religion interessiert hätte. Für mich keine Spur weniger spannend als die Geschichten des Londoner Meisterdetektives! Ein Anhang mit Karten, einer tabellarischen Zuordnung der Texte zu Autorengruppen (sogen. Quellen) und ein Literaturverzeichnis beschließen das kleine Werk. Etwas abseits des Themas und m. E. entbehrlich die Studie über die Bauart der Stiftshütte im 10. Kapitel. Für Bibelzitate wurde leider keine moderne lexikalische Übersetzung, sondern eine altertümlich wirkende Lutherausgabe einschließlich der antiquierten Orthographie gewählt, möglicherweise aus Gründen des Urheberrechtes. Trotzdem: lesenswert!

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