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Schöpfungsglaube und Naturwissenschaft: ein Widerspruch?

23. April 2012

Im Frühjahr 2009 hatte auf dem Fastenforum der Aktion „Sieben Wochen anders leben“ des Vereins „Andere Zeiten“  eine Gymnasiastin nach dem Widerspruch zwischen biblischem Schöpfungs“bericht“ und den Erkenntnissen der Naturwissenschaft gefragt. Ihr ist der nachfolgende Text gewidmet. Ihre Religionslehrerin hatte die Klasse damit abgespeist, dass die Erzählungen der Bibel überholt seien. Sie hatte den Schülern aber keine weiteren Verstehenshilfen gegeben.

Ich war stocksauer! Natürlich nicht, weil das Mädchen ihre Frage ins Forum gestellt hatte, nichts ist natürlicher als das! Sauer war ich auf die Lehrerin. Schließlich ist es ihr Job, in solchen Situationen weiter zu helfen. Dafür hat sie studiert, dafür wird sie bezahlt. Aber das Mädel musste sich an ihr völlig unbekannte Internetnutzer wenden, deren Seriösität ja nicht auf Anhieb erkennbar ist. Sie hätte ja an biblizistische Fundamentalisten geraten können, die sie noch mehr verunsichert hätten. Oder an jemanden, der sich darüber lustig macht. Sie hatte sich die Frage übrigens kaum zu stellen getraut und war ganz erstaunt, in ihrer Unsicherheit so behutsam von den anderen Forenteilnehmern aufgefangen zu werden.

Nun, wer von denen mich kannte, der wusste, dass Ismael nicht ganz ohne Worte bleiben würde. Weil die Frage aber immer wieder auftaucht, darf ich meinen Versuch zu antworten, vielleicht auch hier noch mal herkopieren, verbunden mit dem Appell an alle, die einmal im Theologiestudium ein Seminar über die „historisch-kritische Methode“ belegt haben, ihr Wissen bitte auch unter das Volk zu bringen.

Hier mein Text:

Schöpfungsglaube und Naturwissenschaft: ein Widerspruch?

Als erstes sollten wir uns damit befassen, worin überhaupt das Problem besteht. Einerseits feiern wir dieses Jahr (2009) den 200. Geburtstag Darwins und den 150. Geburtstag der Evolutionstheorie, gleichzeitig aber wird genau diese Theorie von christlichen Fundamentalisten (hauptsächlich in den USA) aufs heftigste bekämpft. Also: worum geht’s?

Wer sich auf dieses Thema einlässt, sollte sich erst über die Denk- und Arbeitsstrukturen in der modernen westlichen Zivilisationsgesellschaft klar werden. In der Wissenschaft, so wie wir sie seit 200 bis 300 Jahren kennen, sind wir es gewohnt Berichte zu lesen. Berichte sind entweder wahr oder falsch. Falsch können sie sein, wenn die Beobachtungsmethoden unzureichend sind  oder wenn uns jemand hereinlegen, also belügen will. Im Idealfalle lässt sich ein Bericht überprüfen.

Texte, die keine Berichte sind, gelten als Fiktion: Sagen, Märchen, Romane, Gedichte… Für den Naturwissenschaftler ist das alles uninteressant.

So weit, so gut. Zum Konflikt kommt es, wenn ein im Geiste der Aufklärung und Wissenschaft erzogener, also ein moderner Mensch, die Bibel liest. Schon auf den ersten Seiten muss er entscheiden: wahr oder falsch?

Nehmen wir an, die Bibel sei für ihn das Wort Gottes, also wahr. Dann muss auch der „Bericht“ von der Schöpfung in sechs Tagen wahr sein. Würde dieser fromme Zeitgenosse sagen, die Bibel läge falsch, so würde er das Wort Gottes, die Quelle und das Fundament seines Glaubens untergraben. Undenkbar!

Nehmen wir an, der moderne Bibelleser wäre ein Astrophysiker, Geologe, Evolutionsbiologe oder dergleichen. Er würde wahrscheinlich sagen: Die Schöpfungs“berichte“ seien Fiktion. Fromme Märchen, die Erfindung von Menschen des Altertums. Damals wusste man eben noch nicht besser, wie die Welt entstanden ist, woher denn auch! Aber nun: ab damit in den Papierkorb der Religionsgeschichte…

Stellen wir uns drittens einen modernen Menschen vor, der die von Naturwissenschaftlern entworfene Erdgeschichte als von Gott gewollte und geplante Schöpfungsgeschichte begreifen möchte. Unser dritter Freund hat aber eine calvinistische Erziehung genossen: Gottes Barmherzigkeit, das Vorauswissen des Allmächtigen, aber auch menschliche Tugenden wie Sparsamkeit, zügiges zielorientiertes Arbeiten, Fleiss, Lerneifer, all das ist ihm selbstverständlich. Nie würde er etwas dem Zufall überlassen, genau so undenkbar wäre es für ihn, wenn Gott „würfeln“ würde, um es mit Einstein auszudrücken. Und nun schaut er in die Naturgeschichte:

Da liegt ein Löwe tagelang faul in der Savanne herum, statt, wie die Ameisen ein paar Schritt weiter, einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Da produziert eine Eiche über Jahrunderte Jahr für Jahr hunderte, tausende von Eicheln, damit, statistisch gesehen, eine einzige Eichel zu einem einzigen neuen Baum im Wald heranwächst. Da grinst ihn höhnend das Monstergebiss eines Tyrannosaurus Rex an und behauptet, ein Werk des barmherzigen und liebenden Schöpfergottes zu sein. Da lässt Gott über Jahrmillionen die bunte Welt der Saurier in all ihrer hoch entwickelten Artenvielfalt entstehen, um sie mit einer einzigen kosmischen Granate, einem gewaltigen Meteoreinschlag wieder auszulöschen.

Wo bleibt da die Weisheit Gottes? Und wie zum Hohn dümpeln in der Nordsee Quallen herum, primitive Lebewesen, die sich seit dem Präkambrium nicht verändert haben. Keine Spur von „Höherentwicklung“. Eben noch vollführten sie, in zarter Anmut im Wasser schwebend ihre Bewegungen, ein paar Wellenschläge später verenden sie zu Tausenden als schleimiger Glibber am Strand… „Und er sah, dass es gut war?“ Welchen Sinn soll das haben? Natürlich lässt sich wissenschaftlich alles in ein ökologisches Gefüge einordnen. Mich fasziniert es! Aber Gottes Liebe lässt sich nicht daraus ablesen. Zunächst nicht.

Zurück zur Bibel. Was da als Schöpfungsberichte etikettiert wird, sind keine Berichte. Es sind Mythen. Diese Mythen haben nicht die Aufgabe, die Erdgeschichte darzustellen. Auch nicht als „Ersatz“ für naturwissenschaftliche Erkenntnisse, die es damals noch nicht gab, also nach dem Motto: damals war man eben noch nicht so schlau. Mythen haben die Aufgabe, die Beziehung Gott-Mensch-Schöpfung darzustellen. Dazu benutzen sie Bilder. Wir, die wir im Geiste der Wissenschaften erzogen worden sind, haben es oft verlernt, diese Mythen zu entschlüsseln und tun sie deswegen oft als poetisch erzählte, aber belanglose Märchen ab. Im Sinne biblischer Erzähler sind wir also fast so etwas wie Analphabeten. Wer die Bibel liebt, sollte versuchen, die Welt ihrer Mythen neu kennen zu lernen. Sie sind nämlich wahr! Nur eben anders wahr als Berichte.

Ich schweife mal ab. Weg von den Schöpfungserzählungen, hin zu einer anderen Geschichte der Bibel: der Erzählung von Hiob.

Die Geschichte von einem frommen, gottesfürchtigen und wohltätigen Mann, der Schlag auf Schlag seinen ganzen Besitz, seine geliebten Kinder, schließlich auch seine Gesundheit verliert. Er wird fürchterlich gequält. Nicht nur durch die Schicksalsschläge und seine unglaublich schmerzhafte Krankheit, sondern auch durch die Frage, warum Gott das alles zulässt, warum Gott so ungerecht zu ihm ist.

Eine erfundene Geschichte. Mag sein, dass es in der Urzeit Israels einen wirklichen Hiob gegeben hat. Wahrscheinlich kursierten irgendwelche Sagen über ihn, in denen die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes irgendwie gestellt wurde. Aber in der Form, in der uns das Buch Hiob in der Bibel begegnet, mit ihren vielen kunstvollen Reden, ist die Geschichte eindeutig eine Erfindung, das Werk eines Schriftstellers (oder mehrerer Schriftsteller, wenn man es genau nimmt). Der Autor hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, der reichlich schematischen Handlung einen realistischen Touch zu geben. Er hatte anderes im Sinn. Nämlich, die Frage nach dem Leid in der Welt, nach Gott und der Beziehung des Menschen zu ihm, in Worte zu fassen. Nicht in einer theoretischen Philosophensprache, sondern,ganz orientalisch, in einer Geschichte.

Ist die Geschichte von Hiob wahr? Sie ist doch erfunden worden! Für mich ist sie wahr. Irgendwie steckt doch in jedem Menschen ein Hiob. Ich fragte mal Kinder, was sie zu Jesus sagen würden, wenn sie ihm begegneten. „Ich würde ihn fragen, warum ich Gehirnhautentzündung bekommen habe und nun auf dem einen Ohr taub bin“, antwortete ein kleiner quirliger Steppke. Charles Darwin verlor seinen Glauben nicht wegen der Evolutionstheorie, sondern weil seine Tochter, die er so lieb hatte, mit zehn Jahren qualvoll starb…

Hiob ist für unser Leben viel realer als manch ein alttestamentlicher König, über den wir viele historische Details kennen!

Halten wir fest: Die Bibel enthält keine Schöpfungsberichte, sondern Schöpfungserzählungen. Mythen.

Übrigens mehrere, die sehr voneinander abweichen. Die priesterschriftliche Erzählung (Genesis 1: 1 – 2: 4a), dann die viel ältere  Erzählung mit der Paradiesgeschichte, die in den nördlichen Stammesgebieten des Volkes Israel entstanden ist (Genesis 2: 4b – 3: 24), dazu kommen dann noch Psalmverse und Teile des Buches Hiob, die auf Gottes Schöpfungswerk Bezug nehmen.

Es geht in den Schöpfungsmythen nicht um naturwissenschaftliche Sachverhalte, sondern um die Beziehung von Gott, Mensch und Schöpfung zu einander.

Mythen sprechen in einer Bildsprache, die uns heute abhanden gekommen ist. Die Maler der Barockzeit haben sie wohl noch „aus dem Bauch heraus“ verstanden, ebenso die Betrachter ihrer Bilder. Heute brauchen wir schon einen Durchblickerkurs. Ich möchte dazu nur ein paar kleine Bröckchen hinwerfen. Sie erklären nicht alles. Schließlich kann ich hier keine Exegese zum Buch Genesis schreiben.

Fangen wir mal in Babylon an. Mitte des sechsten Jahrhunderts v. Chr. Gewaltige Stadtmauern, prachtvolle Tempel, reiche Paläste, enge Gassen, Elend, Gewimmel, – eine orientalische Großstadt. Mitten darin lebten Juden. Zwangsweise dorthin deportiert, weil sie sich dem Großmachtstreben des babylonischen Reiches widersetzt hatten. Sklaven waren sie nicht, aber eben auch nicht frei. Die einen träumten wehmütig vom verlorenen Jerusalem und dem Tempel des wahren Gottes. Die anderen fanden sich mit den Verhältnissen ab, so gut es ging, man muss ja schließlich weiterleben.

Im Frühjahr feierten die Babylonier das Neujahrsfest. Mit bunten Prozessionen, die, sagen wir, vom mächtigen Stufentempel im Zentrum  der Stadt durch das Ischtar-Tor mit seinen bunt glasierten Ziegeln und den Zwinger der Nordburg  zum Haus des Neujahrsfestes nördlich der Stadt führten. Szenische Darstellungen mit Göttermasken, Rezitationen uralter Texte über die Entstehung der Welt, das Eluma-Elisch-Epos… Das alles muss unglaublich eindrucksvoll gewesen sein. Und mit diesen Eindrücken kamen die jüdischen Kinder von der Straße nach Hause.

Moment mal… was erzählen die Gören da? Es gäbe viele Götter, und sie seien von dem Meeresmonster Tiamat geboren worden, dass sich mit dem Himmelsgott Anu gepaart hätte? Da gab es wohl was richtig zu stellen! Da war es wohl fällig, die eigenen Vorstellungen in Worte zu fassen. Möglichst kurz und knapp, denn die babylonischen Mythen waren lang und verworren. Kontrastprogramm: klare Gliederung: sieben Tage hat die Woche. Und… 😉 die eine oder andere spitze Bemerkung gegen die Götter Babels darf gerne mit hinein!

Fangen wir an:

„Im Anfang schuf Gott…“ Gott war also vorher schon da, vor allem, über allem. Marduk, der Ordner des babylonischen Kosmos, war dagegen ein Abkömmling von Ea und Damkina, ein Gott der dritten Generation. Seine Position als oberster Gott Babylons musste sich dieser Profilneurotiker erst mal erkämpfen.

„…und Gottes Geist schwebte über den Wassern…“, er ist also kein Teil der Schöpfung wie der Himmelsgott Anu, der eigentlich eine Personifikation des himmlischen Regenwassers war oder Tiamat, die personifizierte Form des Ozeans, oder Ea, der den unterirdischen Grundwasserozean darstellte. Auch heute wichtig zu wissen, wenn man mit Freunden der Popularesoterik diskutiert, für die Gott einfach Teil des Kosmos oder der Kosmos selbst ist.

„Dann sprach Gott, ein Gewölbe (eigentlich: eine getriebene Metallschale) entstehe…“ Schalen aus Kupfer, Silber oder Gold gab es damals nur als Tempelgeräte oder in den Palästen, sie waren etwas Kostbares. Gottes Werk ist kostbar. Der Himmel, den Marduk geschaffen haben sollte, bestand dagegen aus der aufgeschlitzten Leiche des Meeresungeheuers Tiamat, also eigentlich seiner Großmutter, die Marduk in einem dramatischen Kampf erst hatte umbringen müssen. Das ist schon ein Unterschied, denke ich.

„…Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung von Festzeiten, Tagen und Jahren dienen…“ Einfach nur Lichter. Schön anzuschauen. Aber keine Götter wie Sin (Mond) und Schamasch (Sonne), die um ihren Platz am Himmel streiten müssen. Oder die man gar anzubeten habe.

„Dann sprach Gott: Laßt uns Menschen machen…“ hahaha!

Witz verstanden? Nee? Schade, es ist immer doof, wenn man einen Witz erklären muss. Aber dieser ist nun mal 2550 Jahre alt. Also: Mit wem redet Gott da eigentlich die ganze Zeit, wer ist „wir“, wenn er von „uns“ redet? Schließlich gab es außer ihm selbst doch niemandem, mit dem er sich hätte beraten können!

Satirische Anspielung auf die Schaffung des Menschen bei den Babyloniern. Da gab es Obergötter und Untergötter. Und die Untergötter, die Igigi, mussten für ihre Chefs, die Anunaki schuften. Macht keinen Spaß, klar, oder? Also verkündet die Igigi-Gewerkschaft den Generalstreik. Nix geht mehr! Kein hart gekochtes Ei mehr zum Frühstück! Die Götter müssen sich was einfallen lassen. Große Götterkonferenz, endloses Palaver, aber die Igigi lassen sich durch die knurrenden Mägen der Großkopferten nicht umstimmen. Also beschließt der hohe Rat der Unsterblichen, einen der Ihren sterben zu lassen. Gott Kingu, der sich vorher irgendwann als Streithammel gründlich unbeliebt gemacht hatte, wird geschlachtet, um aus seinem Blut neue Arbeiter, die Menschen zu machen:

„… Als sie ihn gebunden hatten, brachten sie ihn vor Ea.
Sie ließen ihn Strafe erleiden,
seine Adern durchschnitten sie.
Aus seinem Blute schuf er (Ea) die Menschheit.
Er schrieb ihnen den Dienst der Götter vor,
um diese davon zu befreien…“ 

Die Menschen sind also aus dem Blut eines „göttlichen“ Verbrechers gemacht und nichts anderes als Sklaven. Oder?

„…Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und als Frau schuf er sie…“ Mann und Frau sind Abbild Gottes, mit Gottes Würde bekleidet. „Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde…“ Königsherrschaft, – welch ein Kontrast zum Sklavendienst des Menschen bei den Babyloniern. (Anmerkung: Königsherrschaft ist bei den Israeliten als „Hirtenamt“ mit der Aufgabe des Beschützens gedacht, nicht als Willkür und Despotie!)

„… Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmeln (Mehrzahl!) und Erde, als sie geschaffen wurde.“ Hahaha!

Schon wieder nicht mitgelacht? Na gut, ich versuche es zu erklären. Eigentlich müsste es, korrekt übersetzt, nicht Entstehungsgeschichte, sondern Geschlechterfolge oder (Götter)Dynastie heißen. Also etwas was es gar nicht gibt. Nach Ansicht des jüdischen Verfassers jedenfalls gab es so was nicht. Mal wieder eine Spitze gegen das bunte Pantheon vom Euphrat, wo eine Göttergeneration aus der anderen entstand: Meine Karteikarte, auf der ich die Ahnengalerie der Hauptgötter Babels skizziert habe, sieht reichlich wirr aus: wer hatte es nun mit wem, und ach so, – Ea ist der gleiche wie Apsu? – und war Antum nicht die richtige Frau von Anu???…

„Am siebten Tag vollendete Gott sein Werk…“ Zwei Seiten sind das in meiner Bibel. In meiner Heimatkirche auf einem Fenster dargestellt: schön bunt, jedoch alles wohlgeordnet. Aber wehe, es will einer durch die Ahnentafel aller 900 babylonischen Götter durchsteigen! Babylonische Götterverwirrung, echt!

Was ich zeigen wollte, ist Folgendes: Die Mythen der Bibel dürfen nicht als Gegensatz zu den Naturwissenschaften gelesen werden. Der priesterschriftliche Schöpfungshymnus eben war als Kontrast zur mesopotamischen Religion und dem damit verknüpften Lebensgefühl gedacht.

Den Einstieg in die andere  Schöpfungserzählung erspare ich uns. Mein Text ist ohnehin viel zu lang. Nur eines: sie ist völlig anders als die priesterschriftliche Geschichte. Ergo: Die Bibel ist ein pluralistisches Buch. Sie lässt viele Deutungen zu!

Ach so, das kann ich mir nun doch nicht verkneifen: Genesis 3: 21 schildert die Entstehung des Schamhaars! 😉  Die Bibel hat sooo viel Humor!

So weit der Text. Natürlich ging das Gespräch in dem Forum noch weiter. Und irgendwann fügte ich noch ein persönliches Wort an das Mädchen, dass da gefragt hatte, an:

„Ich habe einige Semester in den Hörsälen des Geomatikums in Hamburg verbracht: Allgemeine Geologie, Erdgeschichte, Paläontologie… Hervorragende Dozenten dort! Meinen Glauben an einen Schöpfergott hat das nicht im geringsten angekratzt. Im Gegenteil! Die Welt ist so phantastisch, kaum vorstellbar, das nicht irgendwo im Universum Leben entstanden wäre, so wie die Materie gemacht ist. Ich habe den Eindruck, dass es so kommen ‚musste‘.

Vielleicht nicht unbedingt der Mensch. Aber doch Leben. Leben in einem Universum, das von irgendeinem Unbekannten gewollt, ins Dasein gerufen wurde.

Und ich habe begriffen, wie unendlich kostbar unsere Erde, diese kleine blaue Perle in den Weiten des Kosmos ist.

Und wie leicht das Leben auf ihr zerstört werden kann.

Noch einmal der Sinn von Mythen: Welche Beziehung haben Gott, Schöpfung und Mensch zueinander?

Welchen Platz wirst du, liebe NN, hier suchen, und welchen wirst du finden?

Ich wünsche dir bei dieser Suche den Segen Gottes, der dich gewollt hat!“

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5 Kommentare
  1. Jochen permalink

    Lieber Ismael,

    für mich als Christen UND Naturwissenschaftler ist der Beginn des Johannes-Evangeliums (Johannes 1) ein weiterer Schöpfungsbericht, der in seiner Verdichtung von „Gott“ und „Wort“ selbst für Naturwissenschaftler annehmbar sein sollte. Sicherlich nicht alle, aber die meisten seriösen Wissenschaftler gehen von einer Sinnhaftigkeit des Universums als Ganzem aus, ohne die sie im Prinzip nicht arbeiten können. Diese Grundannahme ist aber letztlich nicht beweisbar. Ich meine, dieses Sinnhaftigkeit wird am Anfang des Johannes-Evangeliums nachgezeichnet und dem Schöpfer zugeschrieben, ja mit ihm untrennbar verwoben, wenn eine Einheit von logos und ‚Gott‘ betont wird.
    Die Bibel beschreibt allerdings, dass die Beziehung zwischen Gott und seiner Schöpfung mehr als der rationale Zusammenhang zwischen Sinn/Naturgesetz und Universum ist: Gott erhält die Welt, weil er sie liebt. Nun ist Liebe keine Kategorie der Wissenschaft (zumindest nicht der Physik), und das zeigt m. E. die Beschränktheit des wissenschaftlichen Weltbilds. Der Mathematiker Pascal hat das schon vor langer Zeit erkannt, wenn er in seinen „Gedanken über Religion“ schreibt, dass Wahrheit ohne Liebe nicht Gott sondern ein Götze ist.

    Ich möchte auch noch sagen, dass an dieser Stelle nicht mein persönlicher Glaube beginnt. Der wurzelt tiefer in meiner Kindheit und ist von Eltern, Großeltern, Religionslehrern udgl. auf mich übergegangen. Ich halte das für wichtig, weil mir jetzt schon öfters aufgefallen ist, dass die medial lauten Vertreter eines rein szientistisch-naturalistischen Weltbilds oft negative Erfahrungen mit Religion in ihrer Kindheit angeben, wenn sie danach gefragt werden. Es ist nicht die Rationalität ihrer Argumente, die sie zu überzeugten Gegnern des Schöpfungsglaubens macht, sondern es sind hintergründig eher irrationale Erfahrungen beruhend auf negativen Emotionen und fehlende Liebe oder Sympathie in der Kindheit oder in der Erziehung (nur sagen sie es nicht in dieser Deutlichkeit).

    Ich bin überzeugt (ohne dass ich es beweisen könnte 🙂 es ist kein Widerspruch zwischen Schöpfungsglaube und Naturwissenschaft.

  2. gillatra permalink

    Ich begrüße den Versuch, biblische Texte in die richtige Textgattung einzuteilen und dann so zu lesen. Es kann gut sein, dass die Bibel Mythen beinhaltet. Und noch wahrscheinlicher ist, dass nicht alles wörtlich gemeint ist.
    Aber dein Versuch kommt mir doch sehr voreingenommen vor: Wenn das alte Testament schon voll mit Mythen ist, wieso ist Gott dann keiner?

  3. Anonymous permalink

    VIEL ZU LANG !!!!!!

  4. Nur mit Schlagwörtern lässt sich so ein komplexes und in der Moderne fremdartiges Thema wohl nicht behandeln. Aber es steht Ihnen ja frei, es kürzer und besser zu machen. 😉

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