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Ein Gleichnis von den anvertrauten Talenten, wie es NICHT im Buche steht.

23. April 2012

In vielen Varianten hat Jesus das Gleichnis vom Herrn, der seinen Knechten seine Güter anvertraut, erzählt. Ich habe mir erlaubt, eine weitere Version zu erfinden. Sie ist einigen Solitärchristen eines anderen Internetforums gewidmet, die meinten, mit einer persönlichen Bekehrung sei alles zum Christsein getan, alles eigene Engagement sei nicht nötig oder gar als Werkgerechtigkeit abzulehnen.

Ein Fürst schickte sich an, in ein fernes Land zu reisen, um dort die Königswürde zu erlangen. Zuvor rief er seine Knechte zusammen und vertraute ihnen von seinem Vermögen an. Dem einen gab er zehn Talente, dem zweiten fünf und dem dritten ein Talent, jedem nach seinen Fähigkeiten. „Geht hin und mehrt das Vermögen, auf dass ihr viel hinzu gewinnt, bis ich wiederkomme“, sprach er und reiste ab.

Als er als König zurückgekehrt war, rief er seine Knechte zusammen und verlangte die Abrechnung. Der erste Knecht sprach: „Siehe, ich habe auf redlichen Wegen zehn Talente hinzu gewonnen. Aus dem, was du mir anvertrautest, ist das Doppelte geworden.“

„Du treuer und fleißiger Knecht“, sprach der König, “ freue dich und nimm Teil am Fest deines Herrn,ich will dich in meinem Reich zum Minister machen.“

Der zweite Knecht trat mit gesenktem Haupt vor den König, fiel nieder und sprach: „Siehe, ich habe versagt und all das verloren, was du mir anvertraut hast. Vergib mir!“ Da sprach der König: „Du hast in meinem Dienst Schmerzen erfahren und das Scheitern erlebt. Nun erhebe dich, sei getröstet und freue dich, nimm Teil an meinem Fest. Ich will dich in meinem Reich zum Tröster vieler machen.“

Da trat der dritte Knecht vor den König und sprach: „Sieh deinen zweiten Knecht an: Er hat sich auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen, ist gescheitert und hat dein Vermögen vertan. Ich tat nicht so: ich habe das Talent, das du mit gabst, sorgsam verwahrt und darauf gewartet, dass du mir Anweisungen gibst. Die ganze Zeit war mein Handy eingeschaltet, stündlich habe ich meine E-Mails kontrolliert und jeden Tag in den Briefkasten geschaut. Aber du hast mich nicht angerufen und mir nicht gesagt, was ich mit deinem Talent hätte tun sollen. Weil keine Nachricht von dir kam, habe ich nichts riskiert, denn ich weiß, du bist ein strenger Herr. Hier hast du dein Talent wieder, ich habe nichts davon verloren.“

Da sprach der König: „Du unnützer, fauler und feiger Knecht, wozu wurdest du mit einem Gehirn geboren?! Die ganze Zeit hast du im Sessel gesessen und nichts unternommen. Meintest du etwa, dein Herr sei ein Marionettenspieler, der an irgendwelchen Strippen zieht, damit du dich endlich mal rührst? Du hast deinen Verstand und deinen Geist genau so wenig eingesetzt wie das Talent, das ich dir gab. Hinaus mit dir!“

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From → Allgemein

3 Kommentare
  1. Mirjam permalink

    Tun und Nichts-tun
    Glauben und Vertrauen

    Lieber Ismael,

    In Römer 6,13 (Elberfelder) steht:
    stellet euch selbst Gott dar1 als Lebende aus den Toten, und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit.
    (Fußnote zu 1: Eig. habet euch dargestellt. Die griech. Zeitform bezeichnet eine währende Vergangenheit, d.h. die Handlung ist geschehen und dauert fort.)

    Ein Werkzeug tut nichts selbst, doch in den Händen des Meisters vollbringt es große Dinge.
    Fragst Du das Werkzeug: „Was tust Du?“ , so bekommst Du zur Antwort: „Nichts!“

    Frage den Meister, was ER mit Seinem Werkzeug tut 🙂

    Liebe Grüße – Mirjam

  2. Liebe Mirjam,
    nur ist der Mensch kein lebloses Werkzeug in den Händen eines Handwerkers, sondern ein freies Wesen mit eigener Entscheidungskraft.
    Gott hat den Menschen Verantwortung für ihr Tun gegeben.
    Verantwortung ist die Konsequenz aus der Freiheit.

    Nein, Gott will keine Marionetten!

  3. Mirjam permalink

    Ja Ismael, ich verstehe Dein Denken 🙂
    Ich vermute, Du hast „verloren – gefunden“ gelesen.
    Das ist mein neues Denken (das Alte war ähnlich dem Deinen).

    Ich fühle mich in keinster Weise als Marionette.
    Ich weiß mich in den Händen eines liebenden Herrn.

    Liebe Grüße – Mirjam

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