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Verschiedene Bibelüberbersetzungen

22. April 2012

Als ich in Jugendjahren mit dem Bibellesen anfing, hat mir die „Gute Nachricht“ sehr geholfen. Sie war damals gerade neu erschienen. Damals war es für mich wichtig, auch mal längere Texte bewältigen zu können, ohne über die Formulierung jedes zweiten Satzes zu stolpern. Ein Taschentestament schleppte ich immer mit herum.

Aber irgendwann war ich so weit, dass ich die leichtgängige Gute Nachricht – Bibel in heutigem Deutsch verschenken konnte. (Sie ist dann noch durch mehrere Hände gegangen). Zum einen war ich selbst weiter, zum anderen war inzwischen die Einheitsübersetzung erschienen. Sie überfordert sprachlich auch niemanden und macht die GN eigentlich überflüssig. Ich finde sie garnicht so schlecht, wie sie oft gemacht wird, wobei mir die Kenntnis philologischer Feinheiten natürlich fehlt.

Wenn ich es ganz genau wissen will, greife ich zur revidierten Elberfelder Bibel. Diese lexikalische Übersetzung muss mir ungebildeten Feierabendtheologen die Urschrift ersetzen. Manchmal ist der Text allerdings so zum [ piep] genau dem griechischen Satzbau nachgebaut, dass man ihn nicht fließend vorlesen kann, ohne sich zu verhaspeln. Also für Bibel-Teilen und Hauskreisarbeit nicht so geeignet, eher zum Nachschlagen. Aber ich habe auch einige sehr schöne Formulierungen (hymmnische Teile des Buches Hiob) gefunden, wo sie an sprachlicher Schönheit der EÜ weit überlegen ist.

Manchmal ist es gut, statt eines leichtverdaulichen Bibeltextes einen mit mehr Ballaststoffen zu haben. Eine nicht alltägliche Formulierung regt eher mal zum Nachdenken an und setzt sich auch leichter im Kopf fest. Deswegen bleibt die Lutherbibel für mich unentbehrlich. Auch die Revisoren haben diesen Wert inzwischen erkannt und schrauben allzu leichtfertige Glättungen wieder zurück. Wenn es darum geht, jemandem einen Vers, einen Taufspruch oder so aufzuschreiben, ist für mich Luther wegen der sprachlichen Wucht immer noch erste Wahl. (Aber irgendwelche protestantischen Identitätsfragen mache ich nicht an der Lutherbibel fest, für solche kleinkarierten Eitelkeiten habe ich keinen Sinn.)

Inzwischen freunde ich mich auch mit der Neuen Züricher Bibel an. Leider habe ich nur die Evangelien und Psalmen auf CD, kann mir also kein so gutes Bild machen. Ich habe aber den Eindruck, dass es gelungen ist, Texttreue mit besonderer sprachlicher Schönheit zu verbinden.

Von außerordentlicher sprachlicher Schönheit – die Psalmen und Hymnen sind Musik! – ist die Übersetzung vom Herder-Verlag. Ich finde, sie kommt in dieser Hinsicht der Lutherbibel nahe, ohne aber antiquiert zu wirken. Leider sind die erhältlichen Ausgaben des Herder-Textes nur sehr dürftig mit Vers-Querverweisen (für das AT fehlen sie fast ganz) und Anmerkungen ausgestattet. Diese stehen im Anhang, was das Bibelstudium für den Laien sehr umständlich macht.

Leider ist auch die Herder-Studienbibel in dieser Hinsicht kein Gewinn. Zwar stehen die Anmerkungen auf der jeweiligen Textseite, aber die Anzahl der Querverweise ist, verglichen mit einer ganz gewöhnlichen Standardausgabe der Luther- oder Züricher Bibel geradezu lachhaft. Warum man so was dann als „Studienbibel“ anpreist, ist mir schleierhaft.

Wie auch die Einheitsübersetzung hat die Herder-Bibel den Mangel, dass das Tetragramm des Gottesnamens mit „Herr“ widergegeben wird uns bestenfalls durch den vorangestellten Artikel von der Überstzung des normalen Wortes „adonai“ („Herr“ als Anrede für einen König oder Propheten) zu unterscheiden ist. Hier hätte man auf die alte und bewährte Tradition zurückgreifen sollen, das Tetragramm mit HERR in Kapitälchen darzustellen.

Es gibt vom Herder-Text eine in Leder gebundene Taschenausgabe (ISBN 978-3-451-32320-1), die nicht nur wunderschön aussieht, sondern sich auch richtig gut anfühlt. Also richtig einladend! Würde man sie besser mit Querverweisen und Anmerkungen (die aber keine Kommentare sein dürfen) auf den Textseiten ausstatten und den Gottesnamen hervorheben, könnte diese Bibel zur ökumenischen Standardbibel im deutschen Sprachraum werden. Hoffentlich erkennen die Herausgeber diese Chance!

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