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Die Bibel: Ausstattungsfragen

22. April 2012

In Buchhandlungen, aber auch auf Sonderverkaufsflächen im Supermarkt stoße ich immer wieder auf die Bibel. Erstaunlich! Erfreulich, könnte man meinen. Die Bibel ist also immer noch ein Verkaufsschlager. Beim näheren Hinsehen stellt sich bei mir allerdings schnell Ernüchterung ein. Was da üblicherweise über den Ladentisch geht, ist zwar oft aufwändig mit Bildern aus dem reichen Fundus der Kunstgeschichte, mit Goldschnitt, oft auch mit Blättern für eine Familienchronik ausgestattet. Auch wuchtige Einbände aus Leder und Holz habe ich schon entdeckt. Das alles durchaus wohlfeil zu haben! Aber wohl doch nur dafür gedacht, an repräsentativer Stelle im Regal zu stehen. Zum eigenen Bibelstudium fehlt den meisten dieser Ausgaben Wesentliches, was ich für viel wichtiger halte als Goldschnitt, Kunstdrucke oder eine großzügige biographische Würdigung des Papstes (gesehen in der „Benedikt-Bibel“). Denn eine Bibel ist zum Lesen da und nicht zum Anschauen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Entscheidend ist natürlich, was in der Bibel drin steht, und Gottes Wort bleibt auch in einer mäßigen Edition immer noch Gottes Wort! Wichtig ist natürlich auch die Übersetzung, aber das habe ich ja schon woanders zum Thema gemacht.

Trotzdem: Jedem Autofahrer ist wichtig, das sein Auto nicht nur fährt, sondern dass es die für ihn persönlich zweckmäßigste Ausstattung hat: Airbag, Standheizung, Navigationssystem, bedienungsfreundliche Armaturen… was weiß ich. Und als Bibelleser ist mir eben auch eine bedienerfreundliche Ausstattung wichtig. Schließlich ist es das Buch, mit dem ich durchs Leben gehe und nicht nur eine Urlaubslektüre.

Um beim Äußerlichen zu beginnen: Ich mag es, wenn eine Bibel einladend und freundlich aussieht. Deshalb stört es mich, dass so viele evangelische Ausgaben schwarz gebunden sind. Die Bibel ist kein düsteres Buch. Deshalb weg mit dem gravitätischen Ernst! Ein roter oder naturfarbener Einband tut der Würde der Schrift keinen Abbruch. Der weiße Einband der „Benedikt-Bibel“ durfte bei regem Gebrauch bald etwas speckig aussehen.

Der Einband sollte robust sein. Denn die Bibel wird, so ist zu hoffen, viel und ein Leben lang benutzt. Wer sie oft zu Gruppentreffen, Bibelkreisen oder auf Reisen mitnimmt, wird Schutzklappen oder einen (leider wieder anfälligen) Reißverschluss zu schätzen wissen. Ich selbst bin ein sinnenhafter Mensch und mag es auch, wenn sich das Buch gut anfühlt. Also ist mir ein weicher Ledereinband lieber als rauhes Leinen. Goldschnitt halte ich für überflüssigen Pomp.

Eine historische Zeittafel, gute Karten, Erläuterungen zu antiken Maßen und Gewichten sind obligatorisch. Ebenso ein gutes Stichwortregister, auch ein Verzeichnis wichtiger Geschichten, Gleichnisse usw. Es muss aber nicht gleich eine Konkordanz sein. Worterklärungen sprengen in der Regel auch nicht den Rahmen eines guten Anhanges.

Oft wurde mein Griffregister bewundert, dass ich in meine wichtigste Bibel (ich habe mehrere Übersetzungen) eingeklebt habe. Das ist ein Aufwand von 10 € und einer Stunde Bastelarbeit. Spart aber viel Zeit beim Blättern. Gerade bei Anfängern führt das Suchen von biblischen Büchern in der heiligen Schrift oft zu Frust. Das ist vermeidbar.

Was Anmerkungen und Querverweise angeht, so finde ich das System der Jerusalemer Bibel optimal. Querverweise stehen am Rand, Erläuterungen (die aber keine Kommentare sein sollen) stehen unten auf der Seite. Daneben meine eigenen Marginalien, für die ich auch etwas Platz brauche.

Im Nachbarpost über die Übersetzungen hatte ich es schon angesprochen: Den Gottesnamen mit dem Wort „HERR“ in Kapitälchen wiederzugeben, hat sich bewährt. Leider wird es in der Einheitsübersetzung nicht gemacht. Deshalb geht es in einigen Texten ziemlich durcheinander, wo das Tetragramm einerseits und daneben die Bezeichnung „Adonai“ für einen König oder Propheten dicht beieinander stehen. In der alten Jeruselemer Bibel („Herder-Text“) wird das Wort „Jahwe“ ausgeschrieben. Ich selbst habe die jüdische Achtung vor dem Gottesnamen so sehr verinnerlicht, dass ich das nicht gern laut vorlese. Also lieber „HERR“, das entspricht der jüdischen Tradition und mit einer Erläuterung weiß jeder, was gemeint ist.

Bei aller Wertschätzung der Kunstgeschichte: Illustrationen oder Wiedergaben von Gemälden möchte ich in keiner meiner Bibeln haben. Sie zeigen immer die subjektive Sichtweise des jeweiligen Künstlers, ich möchte aber ganz unabhängig davon (und auch unabhängig von Stil- und Geschmacksfragen) an die Texte herangehen. Gleiches gilt für interpretierende Kommentare.

Warum schreibe ich das alles? Weil ich möchte, dass Bibeleditionen auf den Markt kommen, die einem den Zugang zur Schrift leicht machen. Vor denen ein Anfänger nicht steht wie der Ochs vorm Berg. Ich wünsche mir, dass sich auch Herausgeber und Bibelgesellschaften mit der Frage befassen, wie Christen am Besten mit der Bibel umgehen. Und dabei absehen von allzu vordergründigen Motiven (Geben wir doch mal eine Sieger-Köder-Bibel oder eine Chagall-Bibel heraus, das verkauft sich, das macht sich gut als Geschenk zu Weihnachten…).

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