Skip to content

„Retro-Urchristen“: eine neue kirchenfeindliche Richtung

20. April 2012

„Retro-Urchristen“: eine neue kirchenfeindliche Richtung

Im Internet  (1) begegnet mir in letzter Zeit eine Richtung von Gläubigen, die ich in Übernahme eines von einem ihrer Vertreter verwendeten Begriffes „Retro-Urchristen“ nennen möchte. Dabei ist der Begiff „Urchristen“ missverständlich. Mehrere Gruppierungen nennen sich so, darunter eine charismatische Bewegung in der Schweiz und eine früher unter „Universelles Leben“ firmierende neognostische Sekte.

Hier scheint es sich jedoch wieder um etwas Neues zu handeln.
Ich bin mir nicht im klaren, was für eine Bewegung das ist, möchte aber, dass wir das im Blick behalten. Es scheint sich um eine Entwicklung aus dem Umfeld der Evangelikalen zu handeln, die Anhänger scheinen jedoch (noch!) nicht in Freikirchen oder ähnlichem organisiert zu sein. Allerdings sehe ich die Möglichkeit, dass sich im Laufe der Zeit eine weitere Freikirche herausbildet. Da christliche „Basics“ wie die Trinität Gottes abgelehnt werden, besteht sogar die Gefahr einer Sekte. Und zwar einer Sekte, die vornehmlich oder ausschließlich im Internet agiert, deren Anhänger einem also nicht offen und persönlich begegnen.

Ich meine, folgende Phänomene beobachten zu können:

  1. Eine Ablehnung oder gar Feindseligkeit gegenüber traditionellen Kirchen. (2)
  2. Eine Ablehnung kirchlicher Traditionen und Kulturgüter einschließlich charakteristischer Feste wie Weihnacht, Ostern, Sonntag (4) (gelegentlich sogar des Gottesdienstes an sich, ja, sogar der Taufe! (3)), mit der Begründung, dieses seien christianisierte Übernahmen aus dem Heidentum (4), die mit der Bibel nicht zu legigimieren wären (5). Oder es handle sich gar um Werkgerechtigkeit.
  3. Ablehnung der Trinitätslehre, die allerdings falsch verstanden und als eine von Kaiser Konstantin gewaltsam erzwungene Adaptation heidnischer Züge bezeichnet wird.
  4. Wertschätzung des Urchristentums, dabei aber noch Unsicherheit, was das eigentlich sei.
  5. Biblizismus, aber gleichzeitig(!) Schriftekklektizismus: angebliche Spätredaktionen der Bibel werden abgelehnt.
  6. Z. Zt. noch bindungsloses Individualchristentum ohne gemeindliche oder sonstige Strukturen, die (noch!) vehement abgelehnt werden. Nur im Internet präsent.

So weit erste bruchstückhafte Eindrücke von mir.

Bei diesen Retro-Urchristen sind m. E. die Komponenten aus religionssoziologischer Sicht interessant:

  • Solitärchristentum: spirituelle Yetis ohne kirchliche Sozialisation, Bindungsunfähigkeit
  • Feindbild (traditionelle) Kirche als Kontrast-Identifikationshintergrund (Wer keine tragfähigen Inhalte hat, mit denen er sich identifizieren kann, braucht einen gemeinsamen Feind)
  • Baukasten-Spiritualität (Glaubensinhalte werden nach der Literatur oder aus anderen Medien aus dem Fundus der Kulturgeschichte – hier aus Urchristentum und evangelikalen Elementen – zusammengestellt
  • Internet als leicht bedienbare, aber unverbindliche Bühne mit Breitenwirkung.
  • Meine jüngste Entdeckung im Baukasten der Retro-Urchristen:
    Eine Affinität zum Judentum!
    Offensichtlich aus einem Biblizismus heraus wird der Sonntag als eine konstantinische Erfindung abgeleht und der Sabbat begangen.

Ein in Österreich angesiedelter „Bund der Urchristen“ ist wegen Leugnung der Trinität von der Evangelischen Allianz abgelehnt worden. Der Initiator des Bundes will offensichtlich ein Netzwerk aus von entablierten Kirchen enttäuschten Christen schaffen, ohne diese ausdrücklich zum Kirchenaustritt aufzufordern. Also eher eine Unterwanderung.

Ethnologisch ist das eine spannende Sache.
Aus kirchlicher Sicht eine möglicherweise riskante Entwicklung, auf die man vorbereitet sein sollte.

Deswegen schreibe ich das nämlich, weil wir noch das Embryonalstadium dieser Richtung haben.

________________________________

Einige der Links in diesem blogpost werden demnächst wegen Löschung der verlinkten Foren nicht mehr funktionieren.

Deswegen kopiere ich hier einige Zitate:

(1)

DKM, Donnerstag, 23. Dezember 2010, 19:22

AW: Wieviel Konfession braucht der Christliche Glaube

Hallo,
meiner Meinung nach braucht der Glaube KEINE Konfession. Die verschiedenen Konfessionen sind Ausdrucksweisen kultischen Handels von gläubigen Menschen.
Wir müssen den GLAUBEN von den HANDLUNGEN unterscheiden
moralisch
ethisch
praktisch
Ich empfehle zum Studium das Buch von Christoph Markschiess:
„Das antike Christentum – Frömmigkeit-Lebensformen-Institutionen“
hier wird sehr schön die Entwicklung des Urchristentums zur katolischen Kirche (katholisch meint hier nicht RKK-römisch-katholisch)-also zur allgemeinen Kirche nachgezeichnet.
Fazit:
schon in den Urgemeinden waren die Vorstellungen von dem „wie“ man GOTT dienen sollte, sehr unterschiedlich.
In der Apostelgeschichte und im Galaterbrief erfahren wir ja auch schon von zum Teil massiven Unstimmigkeiten zwischen den Gläubigen.
Glaube ist ein persönliches Verhältnis jedes einzelnen zu GOTT.
Eine Gemeinde, gleich welcher Konfession wird niemals im Kollektiv von GOTT gerichtet werden, sondern eben jeder einzelne steht nachallem alleine vor seinem Schöpfer.Die Entstehung verschiedener Konfessionen ist im wesentlichen aus rein menschlichen Motiven, wie zB Machterhalt oder Machtausweitung abzuleiten. Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel (M-Luther zB, dem aber, am Ende seiner Laufbahn auch Machtmissbrauch vorgeworfen wurde…)Gruss
DKM

(Quelle: http://www.glaubenscafe.de)

___________

(2)

DKM, Sonntag, 26. Dezember 2010, 11:12

AW: Wieviel Konfession braucht der Christliche Glaube

Hallo,
[…]nix gegen Gemeinschaft der Gläubigen; ich gebe nur zu bedenken, dass sich die sog. Urchristen nicht in Kirchengebäuden, sondern in „Hauskreisen“ getroffen haben. Paulus berichtet in einen Briefen auch über die Dinge, die dort als Urform des Gottesdienstes getan wurden- das alles funktionierte ohne Konfession, es gab damals nur die Juden, dann Christusgläubige Juden und -Heiden. Diese Gruppen würde ich nicht als Konfessionen bezeichnen. Bei all dem wissenschaftlichen Streit, der über die Deatils des damaligen Glaubenslebens herrscht, könnte ich mir heute einen Konfessionsfreien Hauskreis in etwa so vorstellen:Die Gläubigen treffen sich min. 1-mal pro Woche in einem ausreichend großen Raum
es wird gemeinschaftlich gebetet, gesungen (aus den Psalmen um Streit über das „richtige Liederbuch“ zu vermeiden?), einer hält einen Vortrag, eine Predigt,liest oder lässt eine Passage aus der Bibel lesen, man diskutiert über Glaubensrelevante Ereignisse aus dem privaten Leben der Anwesenden, feiert zusammen das Abendmahl.
Man geht nach einem gemeinschaftlichen Abschlussgebet mit Danksagung und Fürbitte und Segen auseinander- wo ist hier Konfession vonnöten?würdest Du so einem Hauskreis beitreten?
würdest Du dann auf einen Besuch einer konfessionellen Kirche verzichten?Grüsse- und Kekse!
DKM
(ebd.)
______
(3)

maga, Donnerstag, 27. Dezember 2012, 10:47

Konfession als Vorstufe

Eigentlich könnte man es auch so sehen, dass Konfessionen die Vorstufe zur Selbständigkeit im Glauben sind.

So wie der Kindergarten eine gute Vorstufe zur Schule darstellt, so sollte man auch in den Kirchen lernen, was wahrer Glaube bedeutet und wie man ihn lebt.

Wenn die Kirchen das lehren würden, dann wäre ein Erwachsensein , oder Erwachen im Geiste eher möglich . Aber das wird nach meiner Einschätzung eher stark behindert, indem die Kirchen meinen, sie könnten unsere persönliche Verantwortung teilweise ausschalten, indem sie behaupten, dass die Mitgliedschaft und Gefolgschaft alleine ein Garant für den Himmel sei .

Es hängt also meiner Meinung nach davon ab, wieviel seelische Reife vorhanden ist, um der Konfession/Kirche einverleibt zu bleiben, oder frei von ihr zu werden.
Ich denke aber, eine Mitgliedschaft kann auch möglich bleiben, wenn man die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von der konfessionellen Kirche erreicht hat, dann genießt man eben nur die Gemeinschaft mit anderen, und erfreut sich am Gottesdienst .

Gruß maga

(ebd.)
______
(4)

DKM, Dienstag, 28. Dezember 2010, 21:43

AW: Christliche Feiertage nur Relikte aus heidnischen Festen?

Liebe Antje,
bezgl. Weihnachten und Ostern:
Kommt eben auf meine Einstellung zu diesen Festen an und ob ich diese in christlicher Gemeinschaft feiern möchte oder nicht.Jesus hat nur das Herrenmahl eingesetzt.
Kein Ostern, Sylvester oder Weihnachten.Alle diese Feste waren heidnischen Ursprungs und wurden von der Kirche(!!) „christianisiert.“
Das kann man gut finden, das kann man aber auch mindestens genausogut als synkretistisch und damit „GOTT ein Gräuel“ ablehnen.
Im AT jedenfalls wurden Feste anderer Religionen nicht von den Israeliten (mit)gefeiert und GOTT befahl, die fremden Altäre niederzureissen.
In den Büchern der Chronika finden wir unzählige Beispiele, dass GOTT viele Sünden verziehen und vergeben hat (König David!) ABER eins niemals:
Das Vermischen seiner Religion mit der anderer Götter.Im www kann man sehr leicht den Ursprung von Ostern und Weihnachten in heidnischen Kulten nachverfolgen, deshalb sollte es jedem Christen frei stehen, eine Vereinigung zu wählen, bei der man bei solchen Vernsatltungen nicht mitmachen muss und auch erst recht nicht schräg angesehen wird, wenn man sich von diesen Festivitäten distanzieren möchte…GOTTES SEGEN!
DKM
(ebd.)
______

Pintala, Freitag, 23. November 2012, 19:59

Die Taufe ist nicht heilsnotwendig und irrelevant.Das was wirklich zählt ist der Glaube an Gott.Die Taufe ( auch das Abendmal ) ist eine erfundene Irrlehre der Kirche und Religion.Ich forsche seit fast 2 Jahrzehnten über meinen Glauben nach und nach meiner heutigen Stand der Dinge,
würde ich heute zum Glauben an Gott kommen würde ich mich nicht Taufen lassen.Die Bibelstellen die hier stellenweise benutz worden sind werden von Kirche, Konfessionen und Religion(Christentum)
falsch ausgelegt.Prüft euren Glauben!
Egal ob Kindstaufe oder Erwachsenentaufe beides ist teuflisch.

Jetzt schür ich wohl viel Öl ins feuer.

Die Frage die Ismael gestellt hat, würde mich interessieren.
Ich stelle die Frage noch mal.

Was macht Gott eigentlich in der Taufe?

P.s. Die ist meine sehr starke Überzeugen über dieses Thema.

(ebd.)
______
(5)
Vali, Mittwoch, 11. Januar 2012, 13:18

Liebe Sara, ich finde im NT keinen Hinweis darauf, dass Jesus ausser Abendmahl und den Sabbat NOCH irgendwelche Feiertage (was ja zB. Weihnachten offensichtlich sind) eingesetzt hat. Ich finde auch keinen Hinweis darauf, dass Er das Gesetz Gottes als ungültig erklärt hat.

Aber ich finde in der Bibel, dass es Einen geben wird, der sich anmaßt Gottes Gesetz zu ändern und mit seinen „Neuerungen“ die GANZE Welt trunken machen. Er wird die Festtage und die Zeiten ändern. Wenn wir in die Geschichte schauen, hat sich die Biblische Prophetie wortwörtlich erfüllt und gilt bis heute.
(Dan 7,25 „…Nach ihnen aber wird ein anderer aufkommen, der wird ganz anders sein als die vorigen und wird drei Könige stürzen. Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten vernichten und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern……….“)

Ich zweifle bei KEINEM hier, der nicht ehrlich Gott verherrlichen will und Jesus nachfolgen. Ich meine nur, es wäre eines Gedanken wert, zu schauen, welcher Autorität ich damit, was ich tue, in Wirklichkeit die Ehre und Anerkennung gebe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: